SANIERUNG: Freude über die neuen Gewölbe

Einweihung mit Festgottesdienst in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

RATHENOW - Immer wieder richteten die Besucher ihre Blicke hinauf zu den vier Sterngewölben im Hauptschiff der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Und immer wieder hörte man: "Ach, wie schön!" Großes wurde innerhalb des letzten Jahres vollbracht. Die Kirche bekam ein neues Dach und im Innern wurden die Kreuzgewölbe originalgetreu wieder hergestellt. Sie verleihen der Kirche einen einzigartigen Anblick und wunderbare Akustik, so wie es ihre ersten Bauherren im Jahr 1562 gewollt haben. Mit Fördermitteln und einer einzigartigen Spendenaktion des Förderkreises zum Wiederaufbau der Kirche wurden die für das Dach und die Sterngewölbe notwendigen 800 000 Euro aufgebracht. Mit einem Festgottesdienst wurden die neuen Sterngewölbe gestern wieder "in Dienst ge-stellt".

Lange mussten die Rathenower auf diesen festlichen Augenblick warten. Am 6. September 1959 konnte das im zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Kirchenschiff der Sankt- Marien Andreas Kirche wieder eingeweiht werden. Die Decke aus "Sauerkohlplatten" sollte nur als Provisorium eingebaut werden. Man hoffte, der Einbau der Sterngewölbe würde bald folgen. Doch erst jetzt ist das Provisorium überwunden. Die Pfarrer Andreas Buchholz und Wolf Schöne dankten den Bauarbeitern für ihre handwerklichen Meisterleistungen zur Wiederherstellung der Gewölbe. Arbeiten, für die es in keinem Fachbuch mehr Anleitungen gibt. Alles musste alles mit handwerklichem Geschick und vorbildlicher Zusammenarbeit von Architekten und Gewerken vollbracht werden. "Ja es hält", schilderte der Architekt Rüdiger Liedtke sein schönstes Erlebnis, nachdem das Gerüst abgebaut war und man endgültig wusste, dass das Werk gelungen war.

Das enorme Engagement des Förderkreises mit seinen 212 Mitgliedern, viele Spenden, allen voran die Dachsteinaktion, sowie zahlreiche Aktionen wie Baustellenführungen und Ausstellungen sind für den stellvertretenden Landrat Roger Lewandowski ein eindeutiger Liebesbeweis der Rathenower für ihre Sankt- Marien - Andreas - Kirche. "Die Kirche ist der Mittelpunkt der Stadt", zeigte sich Superintendent Thomas Tutzschke überzeugt.

Der Neufriedrichsdorfer Hans Zimmermann übergab beim gestrigen Festgottesdienst, der vom Posaunen-chor, vom Kirchenchor der Sankt- Marien Andreas- Kantorei und dem Orchester der städtischen Musikschule mitgestaltet wurde, der Kirche zwei von ihm gestaltete bleiverglaste Fenster "Der Fischzug des Petrus" für das Kirchenschiff.

Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Mitglieder des Förderkreises zur Versammlung. Der Vorsitzende des Förderkreises, Heinz-Walter Knackmuß, gab einen Bericht über Arbeit des vergangenen Jahres und einen Ausblick auf weitere Vorhaben, wie die Sanierung des Kreuzgewölbes in der Marienkapelle, die Beschaffung neuer Fenster und die Restaurierung der Kirchenorgel. (Von Norbert Stein)

Bernd Geske zur Einweihung der neuen Sterngewölbe in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Der zweite Streich

So spektakulär wie der 1. Abschnitt des Wiederaufbaus der Sankt-Marien-Andreas-Kirche war der 2. Abschnitt ja leider nicht. Die weithin sichtbaren Hubschrauberflüge, mit denen im September 2001 die Turmspitze aufgebracht wurde, sind in dieser Beziehung nicht zu übertreffen. Der nunmehr offiziell abgeschlossene 2. Abschnitt besticht durch eine andere Einzigartigkeit: Es gibt im ganzen Land Brandenburg und darüber hinaus nur ganz wenige Gewölbe in dieser Größe, die Stein für Stein in alter Handwerks-kunst wieder hergestellt worden sind. Außerdem ist das Dach des Hauptschiffes mit stilechten Biberschwänzen neu gedeckt worden. Damit wurden den Verantwortlichen die großen Sorgen genommen, die sie sich um das Innere der Kirche bei Regen und Sturm machen mussten. Das alte Dach war bekanntlich löcherig wie der sprichwörtliche Käse geworden. Wir haben also allen Grund, uns zu freuen. Doch noch etwas Wichtiges hat der 2. Bauabschnitt gezeigt: Der Wiederaufbau der Kirche wird immer weiter gehen. Der Förderkreis zum Wiederaufbau hat alles andere als ein Strohfeuer entfacht, zählt mit 212 Mitgliedern mehr als je zuvor und schickt sich an, mit den eingeworbenen Spenden die 600 000-Euro-Grenze zu übertreffen. Um die nächsten Bauabschnitte muss uns nicht bange sein.

Märkische Allgemeine vom 28. Juni 2010

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