BENEFIZKONZERT: Der spitzeste Kirchturm der Prignitz

Groß Lübener sammeln Geld für Bauvorhaben am Gotteshaus

GROSS LÜBEN - Zu seinem 60. Geburtstag hatte sich der Vorsitzende des Fördervereins für die Kirche in Groß Lüben, Bernhard Behrens, etwas besonderes gewünscht – eine Benefizgala zu Gunsten der Wiederherstellung des Kirchturms. Künstler aus Berlin und der Prignitz erfüllten Behrens’ Wunsch und gaben am Freitagabend ein Sommerkonzert. Unter ihnen befanden sich die Groß Lübener Konzertsängerin Birgit Bockler, der Bad Wilsnacker Organist Christian Reishaus sowie Bernhard Behrens Tochter Lisa (Blockflöte), die aus Potsdam, wo sie studiert, Madlen Gritzka und Paul Glugla (beide Akkordeon) mitgebracht hatte.

Lisa Behrens musste ihre Studienkameraden zu der Teilnahme an der Gala nicht lange überreden. An einem Tag des offenen Denkmals hatten die Musiker schon einmal in der im Jahre 1904 erbauten Kirche gespielt. "Unser Konzert vor zwei Jahren war sehr schön", sagte Lisa Behrens. Sie hob die gute Akustik hervor, die in der Kirche herrscht. Es sei angenehm und leicht, in dem Haus zu spielen.

Für den Wiederaufbau der Kirchturmspitze werden weitere Spenden benötigt. Die Bekrönung fehlt seit dem 12. Juli 1984. Ein heftiger Sturm war damals über die westliche Prignitz gezogen und hatte in Groß Lüben die marode 20 Meter hohe Turmspitze, an der gerade Instandsetzungsarbeiten liefen, heruntergerissen. Das nach dem Sturm errichtete Notdach wird zunehmend undichter.

Bernhard Behrens hofft, dass der Verein schon bald einen Förderbescheid erhält, damit die Kirche wieder ihr ursprüngliches Gesicht zurückerhält. Wie er berichtete, galt der Turm bis zu seiner Zerstörung als der spitzeste Kirchturm der Prignitz. "Von dort oben hatte man einen wundervollen Ausblick über die Karthane-Niederung und die Elbtalaue."

Einen Eindruck von dieser Aussicht vermittelt ein kleines Papier-Modell, in dem mit Fotos der Rundumblick aus dem Kirchturm nachgeahmt wird. Die Fördervereinsmitglieder planen, in 35 Metern Höhe eine Webcam zu installieren. Bei Bedarf sollen ihre Bilder in die erste Geschossebene des Turms auf einen Bildschirm übertragen werden.

Für sein Bauprojekt hat der Förderverein in den vergangenen Jahren bereits mehr als 50 000 Euro an Spenden zusammengetragen. Im Mai wurde ein Antrag auf Fördermittel aus dem Ile- und Leader-Programm gestellt. Die Baukosten für den Turm belaufen sich voraussichtlich auf 130 000 Euro. Wenn im Rahmen des Bauprojektes auch noch Arbeiten am Turmsockel erfolgen sollen, werden rund 200 000 Euro benötigt. Unabhängig vom Förderverein führt derzeit die Kirchengemeinde Reparaturarbeiten am Kirchenschiff durch.

In ihrer Formensprache erinnert die Groß Lübener Kirche an die nahegelegene Wilsnacker Wunderblutkirche. Ungewöhnlich ist, dass es sich bei dem unter Denkmalschutz stehenden Gotteshaus um einen Backsteinbau handelt. "Das ist völlig untypisch für eine Dorfkirche", sagte Behrens.

www.kirche-grosslueben.de (Von Axel Knopf)

Märkische Allgemeine vom 28. Juni 2010

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