KIRCHENSANIERUNG: Idylle hinter den sieben Bergen

Ortsansässiger Theologieprofessor gab für die Orgel seine letzte Lederjacke her

GROSS ZIESCHT - Auf dem Platz vor der Kirche, im Schatten mächtiger Bäume, hatten Mitglieder des Fördervereins Dorfkirche Groß Ziescht Tische und Bänke fürs Kaffeetrinken aufgestellt. Zu den vielen Frauen, die reichlich für guten Kuchen sorgten, gehörte auch Christina Wäsche. Sie hatte eigens ihren Lehmbackofen angefeuert und einen Hefekuchen nach Bauernart gebacken. Pfarrer Georg Thimme und der ortsansässige Theologieprofessor Martin Behnisch hielten Andacht und Predigt und dankten den zahlreichen Sponsoren.

Allein die Kosten der Orgelsanierung beliefen sich auf 12 000 Euro. Eine Summe, die vor allem aus Spenden ortsansässiger Unternehmen und Privatpersonen zusammengekommen war. Martin Behnisch, Initiator und Vorsitzender des Vereins, wies auf den nun ausrangierten Blasebalg unter dem Kirchendach. Hier hatte sich hartnäckig ein Marder angesiedelt, der immer wieder das Leder zerbiss. Das Spielen der Orgel war über die Jahre nur möglich, weil Behnisch jedes Mal auf den Kirchenboden kletterte und aus seiner Lederjacke ein passendes Stück herausschneidend den Blasebalg flickte. Jetzt besteht die Jacke nur noch aus einem kümmerlichen Rest und sieht sich nicht mehr sehr ähnlich. Die Orgel aber ist generalüberholt und der Marder hat den alten Blasebalg für sich allein.

Im vergangenen Jahr wurden Außenhaut und Dach der Kirche instand gesetzt, so dass die Feuchtigkeit nicht mehr eindringen kann. Das geschädigte Giebelfachwerk am Turm sieht aus wie neu und auch die fehlerhafte Feldsteinverfugung gibt es nicht mehr. Die Kosten von 170 000 Euro kamen über Fördermittel vom Land und von der Kirche, erzählt Behnisch und dass er froh ist, dass das Kirchlein seine schlichte Eleganz wieder habe, auch wenn noch nicht alles perfekt sei.

"Jede große Tat wird von einem initiiert und von vielen getragen", lobte Otto Albrecht aus Bayern den Kirchenmann. Albrecht hatte 1998 in der Kirche geheiratet. Ehefrau Kathrin Wohlauf-Albrecht gehört zu den Sponsoren. Ihre Familie ist alteingesessen, die Mutter hier getauft und konfirmiert. Auf dem Friedhof gibt es ein Familiengrab. Den Ort zu verlassen, so etwas käme hier kaum jemanden in den Sinn.

Groß Ziescht sei die Idylle hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen und nur über schlechte Straßen zu erreichen, bemerkte jemand. Lydia Jänicke lebt seit 60 Jahren hier und ist glücklich, dass die Kirche vor dem Verfall gerettet wurde. Die 72-jährige Erika Schröter, die sich liebevoll um Blumenschmuck und Reinigung der Kirche kümmert, kam 1945 aus dem Gebiet des heutigen Polen. Die frühere Berlinerin Sascha Pansch, Schatzmeisterin des Vereins, ist hergezogen und hat in der Kirche ihren Mann Reinhard geheiratet.

Der Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Denkmalschutz im Sinne des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes zu fördern, werde sich auch dem im Wachsen begriffenen Gemeinschaftsleben weiter widmen, so Martin Behnisch. (Von Gudrun Ott)

Märkische Allgemeine vom 08. Juni 2010

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