SANIERUNG: Jetzt fehlt nur noch der Altar

Die Stadtkirche in Rhinow erstrahlt in neuem Glanz / Gemeindemitglieder umarmen den Bau

RHINOW - Am vergangenen Freitag war es geschafft. Der vierte und zugleich letzte Bauabschnitt zur Sanierung der um 1300 errichteten Rhinower Kirche war abgeschlossen. In den nächsten Wochen wird nun noch der Altar rekonstruiert.

Bei herrlichem Sonnenschein bildeten rund 170 Gäste des Förderkreises Stadtkirche Rhinow einen großen Kreis um das Gotteshaus. Die Hände an einem Band umarmten sie so gemeinsam die Kirche als Ausdruck ihrer besondern Verbindung mit dem Haus. Thomas Tutzschke, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Nauen-Rathenow, spielte auf der Gitarre. Gemeindepfarrer Helge Kraft, der katholische Pfarrer Markus Hahn und die Gemeinde sangen gemeinsam das "Amen", als Ausdruck der Freude und des Bekenntnisses zur Rhinower Stadtkirche. "Wenn sich eine Stadt wie Rhinow für ihre Kirche engagiert, muss diese Stätte lieben", hatte Tutzschke zuvor mit einfühlsamen Worten in der An-dacht betont. "Wer liebt, ist auch bereit zu geben."

So haben es auch die Rhinower gehalten und mit vielen Aktionen zum Beispiel Verkauf von Kirchensekt und Kirchenbrot oder mit Spendensammlungen die Sanierung und Erneuerung der Kirche unterstützt. Aber der Vollendung ist die Kirche auch immer mehr ein Ort der kulturellen Begegnung geworden. Rockkonzert, Auftritte der ökumenischen Theatergruppe und Schüleraufführungen nannte Bürgermeisterin Sybille Heling als Beispiele. Die Rhinower haben bei ihrer Kirchensanierung Ausdauer, Gemeinschaftsgeist und den unbedingten Willen zur Vollendung eines großen Werkes bewiesen, hob der stellvertretende Landrat Roger Lewandowski in seinem Grußwort hervor.

Insgesamt wurden für die Sanierung der Stadtkirche Rhinow 520 000 Euro aufgebracht, davon allein 124 000 Euro durch den Förderkreis und der Kirchengemeinde Ländchen Rhinow. Zur weiteren Finanzierung steuerten vor allem das Konservatorium der evangelischen Kirche und die Landeskirche bei. Im Jahre 2001 wurde der Förderkreis der Stadtkirche Rhinow e.V. gegründet und damit mit den Vorbereitungen der Sanierungsarbeiten begonnen.

Als erstes wurde die Orgel rekonstruiert. Mit den weiteren Bauabschnitten wurden in den letzten 9 Jahren Dachbalken ausgewechselt, die Kirchturmkugel erneuert und die Kirche von außen neu verputzt.

Für die Innenrenovierung, dem letzten Bauabschnitt, mussten nochmals mehr als 160 000 Euro beschafft werden. "Das war wahrlich keine leichte Aufgabe", sagte Helge Kraft. Doch vor mit Hilfe von großzügigen Sponsoren wurde das Geld aufgebracht. Die Mühen haben sich gelohnt. Die Kirche zeigt sich heute im hellen Farbton, die Empore wurde erneuert und auch elektrische Leitungen neu verlegt.

Auf einer kleinen Fläche unter der rechten Empore wurde eine alte Wandmalerei freigelegt. Schrift und Malerei sind nur andeutungsweise zu erkennen. "Sie dürften um 1500 aufgetragen worden sein", schätzt Restauratorin Jutta Brumme.

Pfarrer Helge Kraft dankte ihr und allen an der Sanierung beteiligten Handwerkern, Architekten, Denkmalpflegern und allen, die mitgeholfen haben, das Projekt zu vollenden. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 07. Juni 2010

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