Orgel pfeift auf dem letzten Loch

Kerkow (moz) Über 100 Jahre ist das Prachtstück der Kerkower Dorfkirche alt. Die Orgel, die sich im reich verzierten Inneren des historischen Feldsteinbaus befindet, kommt aus der Werkstatt des berühmten Frankfurter Orgelbauers Wilhelm Sauer. Das Instrument muss nun unbedingt repariert werden, sagt Sigrid Korepkat vom Freundeskreis der Kerkower Kirche. "Die Orgel ist in der Vergangenheit nur sehr selten bespielt worden, das Gebläse ist fast vollständig kaputt".

 
Schmuckstück aus berühmter Werkstatt: Die Sauerorgel in der Kerkower Kirche soll nach einer Reinigung schon im nächsten Jahr wieder erklingen, hofft Sigrid Korepkat.
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Für das nötige Gutachten, um Fördermittel beantragen zu können, habe man eigens einen Mitarbeiter aus der Eberswalder Orgelwerkstatt eingeladen. 15 000 Euro müssen für die Reparatur- und Reinigungskosten aufgebracht werden. Bereits im vergangenen Jahr, erzählt die Kerkowerin, habe der Freundeskreis angefangen, auf verschiedenen Veranstaltungen im Dorf Spenden für die Orgel zu sammeln. Rund 3000 Euro sind bisher zusammen gekommen. "Zuletzt konnten wir beim Aufstellen des Maibaums 157 Euro an Spendengeldern sammeln", sagt Sigrid Korepkat, die Veranstaltungen des Freundeskreises mit organisiert.

"In der Kirche finden sehr oft Konzerte statt. Wir nehmen aber keinen Eintritt, sondern einen Austritt. Jeder Besucher kann am Ende geben, was er möchte". Die Gelder fließen der Sanierung des alten steinernen Kleinods zu, für die sich der Freundeskreis der Dorfkirche engagiert. Vor acht Jahren haben die Kerkower die Initiative ins Leben gerufen, sagt Sigrid Korepkat. Auch am jährlichen Dorf- und Erntedankfest beteiligt sich der Freundeskreis. "Wir bieten an unserem Stand kleine Leckereien an, meistens Kuchen, Suppen und Schmalzbrote. Der Erlös kommt dann unserer Kirche zugute."

Neben der Orgel gehören noch andere Kunstschätze zu den Besonderheiten der Kirche, unter anderem die in der Uckermark einmalige Deckenarchitektur im Chor mit einem zweijochigen Sterngewölbe und die gut erhaltene Deckenbemalung, für die der Feldsteinbau bekannt ist. Auch diese baulichen Eigenheiten gelte es zu bewahren, so Sigrid Korepkat. In den kommenden Jahren solle auch der Innenraum der Kirche gereinigt werden. Nach einem Blitzschlag in den 70er Jahren brannte der Backsteinturm der Kirche teilweise ab. Der Ruß des Brandes, der sich damals auf den Wänden der Kirche abgelagert hatte, zeugt noch heute von dem Unglück vor 36 Jahren. "Das Innere der Kirche wirkt dadurch immer sehr düster auf die Besucher", sagt Sigrid Korepkat.

Doch zunächst gibt es für die Kerkower nur ein Ziel: Zur 775-Jahr-Feier des Dorfes im nächsten Jahr sollen die Pfeifen der Sauerorgel wieder in ihren höchsten Tönen erklingen.

Nächstes Konzert in der Kerkower Dorfkirche, am 29. Mai, um 16 Uhr mit dem Trio ad Libitum

Märkische Oderzeitung vom 26. Mai 2010

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