Dorfkirche wird renoviert

BAUEN Förderverein der Evangelischen Kirchengemeinde wirbt für Projekt in der Nacht der Offenen Kirchen

Die fast 800-jährige Stahnsdorfer Dorfkirche soll renoviert werden. Das Wahrzeichen am idyllischen Dorfanger öffnet zu Pfingsten seine Türen sogar in der Nacht.

Von Konstanze Wild

 
Zisterziensermönche erbauten die dreigliedrige Kirche im romanischen Stil. Der Dachturm euntstand erst 1779. FOTOS (3): OLAF MÖLDNER
 
Die Dorfkirche birgt Kunstwerke: hier der Altar aus dem Jahre 1430. Ungewöhnlicher Ausblick vom Pfarrturm auf das alte Pfarrhaus (r.).

STAHNSDORF - Vielleicht wird man ja in einigen Jahren sogar einen Blick vom Kirchturm werfen können, von dort auf den idyllischen Dorfanger schauen, auf historische Hofanlagen und neue Siedlungen der Gemeinde Stahnsdorf. Eine Turmbesteigung könnte möglich sein, sagt Michael Grunwald. Seit Anfang des Jahres ist der seit 14 Jahren in Stahnsdorf wohnende Familienvater neuer Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Evangelischen Kirchengemeinde in Stahnsdorf. Dort will man sich voraussichtlich ab 2012/13 der Renovierung des fast 800-jährigen Wahrzeichens Stahnsdorfs widmen. Die Planungen laufen bereits, der Denkmalschutz ist mit im Boot, Möglichkeiten, Spenden für die etwa 500 000 Euro teuren Renovierungsarbeiten einzuwerben, werden ausgelotet.

Die Stahnsdorfer Dorfkirche gehört zu den ältesten Kirchen auf dem Teltow. Ihr Baubeginn wird auf die Zeit um 1200 angesetzt. Ihr markanter Marienaltar aus dem 15. Jahrhundert wurde bereits 2007 restauriert. Er zeugt von der einstigen Bedeutung der Pfarre Stahnsdorf, die noch im 19. Jahrhundert bis an den kleinen Wannsee reichte. So ist im November 1811 der Freitod Heinrich von Kleists und Henriette Vogels im Stahnsdorfer Kirchenbuch verzeichnet. Dietrich Bonhoeffer hielt mit 19 Jahren im Oktober 1925 in der Dorfkirche Stahnsdorf seine erste öffentliche Predigt.

Um dem Raumbedarf der stark wachsenden Gemeindearbeit Rechnung zu tragen, wurde bereits 2005/06 das 1879 erbaute Pfarrhaus als Gemeindehaus umgestaltet. Auch die historische Leichenhalle und die Remise neben dem Pfarrhaus sind mittlerweile saniert.

Nun stehen Renovierungsarbeiten an der Kirche an. An der nagt der Zahn der Zeit und wohl auch die Belastung durch den Verkehr auf dem Kopfsteinpflaster rund um den idyllischen Dorfplatz. Zeitweise befuhren ihn auch schwere Laster. In den achtziger Jahren innen restauriert und außen trocken gelegt, stehen an der Kirche nun unter anderem eine neue Dacheindeckung sowie Holzarbeiten an Dach und Turm, an Deckenbalken und Ausbesserungen am Sockel und Malerarbeiten im Kirchenraum an. Dort wurden in den Achtzigern in den Putz geritzte und gemalte Wandornamente, Weihekreuze und stilisierte Lilien freigelegt. Unter dem Anstrich befinden sich Reste einer einfachen Bemalung, Weinstöcke, datiert auf das Ende des 13. Jahrhunderts.

Landeskirche, Kommune und Kirchengemeinde arbeiten an einem Gesamtkonzept. Man möchte die anstehenden Arbeiten kontinuierlich voranbringen und dabei die Kirche, soweit wie möglich, weiter nutzen, erläutert Grunwald. Überhaupt möchte man das historische Wahrzeichen, ein sehr sorgfältig ausgeführter Bau aus behauenen Granit-Feldsteinen, für die ganze Gemeinde noch attraktiver gestalten.

Die Kirche als lebendiger Mittelpunkt des Ortes, die auch neue Menschen anspricht, die als kirchlicher Raum und historisches Gebäude wahrgenommen und durch Konzerte und Ausstellungen genutzt wird, so könnte man die Vorstellungen und Wünsche in der Gemeinde zusammenfassen.

Ein Museum freilich sei die Stahnsdorfer Dorfkirche nicht: "Trotz ihres hohen Alters und der Kunstschätze, die ihre Mauern bergen, ist unsere Kirche beileibe kein Museum. Sie ist vielmehr ein Ort, an dem sich Menschen zusammenfinden, ein Gotteshaus für Christen, Kultur-Haus für Touristen und Heimat-Zeichen für die Stahnsdorfer", formuliert es Grunwald.

Um die Kosten der Renovierung auch mit Hilfe von Spenden zu stemmen, könnte sich der Fördeverein etwa Balkenpatenschaften und Ziegelzertifikate für das neue Dach des Gotteshauses vorstellen, erläutert die Küsterin Maren Grunwald. Ein Signal für die Renovierung wird es zu Pfingsten geben. Dann, wenn die Dorfkirche zur "10. Nacht der Offenen Kirchen" ein abwechslungsreiches Programm anbietet, informiert der Förderverein ausführlich auch über sein Projekt "Renovierung unserer Dorfkirche".

Märkische Allgemeine vom 12. Mai 2010

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