Eine Dorfkirche in Not

Altfriedland (moz) Der Salpeter wächst und wächst, Jahr für Jahr. Vier Meter hoch war er schon vor einigen Jahren ins Mauerwerk eingedrungen. Das hat der einstige Pfarrer Richard Blache in einem Gutachten Schwarz auf Weiß. Mittlerweile dürfte die Feuchtigkeit gut sechs Meter hoch gewandert sein, schätzt der Altfriedländer. Schäden sind längst am Feldsteinbau sichtbar innen und außen. So wie der Salpeter wächst bei den Dorfbewohnern auch die Sorge um ihre Kirche immer mehr. "Wenn wir noch länger warten und nichts tun", steht für Dorothea Blache fest, "dann ist unsere Kirche am Ende nicht mehr zu retten."

 
© Johann Müller

Dabei ist sie mit ihrem blauen Wolkenhimmel im Inneren und den Engeln, die hoch oben zwischen den Schäfchenwolken schweben, sowie der mit Blattgold verzierten Hochkanzel, nicht nur beeindruckend schön, sondern auch sehr alt. 1230, weiß Richard Blache, wurde sie einst als Klosterkirche gebaut. Die wechselvolle Geschichte wollte es so, dass die Nonnen das Zisterzienserinnenkloster 1540 verließen und damit auch die Kirche. 200 Jahre lang blieb das Gotteshaus anschließend ungenutzt und verfiel. Altfriedland hatte damals Stadtrecht und eine eigene Stadtkirche. Dort, wo das Dorf heute in einer Wendeschleife endet, soll sie gestanden haben.

Die Klosterkirche unterdessen wurde in den 30er Jahren zuletzt saniert. Seit dem ist baulich zumindest nicht viel passiert. Jetzt aber muss es etwas geschehen. Da sind sich Christen und Nichtchristen im Dorf einig, junge und alte. Weil die Kirche als Eigentümerin die Finanzierung der nötigen Sanierungsmaßnahmen nicht alleine stemmen kann, haben die Altfriedländer nun einen Förderverein für ihre Kirche gegründet. Von der enormen Resonanz bei einer ersten Versammlung ist Erika Berg noch immer beeindruckt. Sie gehört zum Vorstand und erzählt, dass unter den fast 30 Bürgern viele junge waren. "Damit haben wir nie gerechnet", gesteht die 63-Jährige. "Aber umso glücklicher sind wir darüber. Denn es zeigt doch, dass das historische Bewusstsein und der Zusammenhalt im Dorf groß sind, egal welches Alter." Ungewöhnlich sei auch, sagt Frau Berg, dass gleich zwei Vereine komplett dem Förderverein beigetreten sind der Verein Langes Haus und der Verein Feuerwehrlöschwesen. Jeder im Dorf scheint sich gegenüber des historischen Ensembles, zu dem auch die Klosterruine nahe der Kirche gehört, verpflichtet zu fühlen.

Für die Sanierung der Kirche werden wohl mehr als 150 000 Euro nötig. Finanziert werden sollen die Maßnahmen über Förderungen und Eigenmittel der Kirche. Rund 15 000 Euro wird der Eigenanteil betragen. 9000 Euro, sagt Dorothea Blache vom Förderverein stolz, sind schon gesammelt. Und die Spendenaktionen sollen weiter gehen mit Benefizkonzerten zum Beispiel. Weitere Initiativen plant der neu gegründete Förderverein zurzeit.

Die Förderer der Kirche wissen, dass ihr Vorhaben nicht in den nächsten Wochen und Monaten zu realisieren ist. Ein, zwei Jahre, schätzen sie, werden vergehen, ehe das Geld zusammen ist. Aber die Mitglieder sind zuversichtlich, dass sie ihre alte, schöne Kirche retten werden. Schließlich will fast jeder im Dorf mit anpacken. Und: Sie wissen Richard Blache in ihrer Mitte. Seiner Initiative ist es zu einem großen Teil zu verdanken, dass das Pfarrhaus in Altfriedland in den 90er Jahren wieder aufgebaut wurde. Die Sanierung hat damals eine Millionen DM verschlungen.

Förderverein Klosterkirche Altfriedland
Gründung: 24. April 2010
Mitglieder: 29
Vorstand: Vorsitzender Carl-August von Oppen, Stellvertretende Vorsitzende Dr. Erika Berg, Wolfgang Hoffmann, Christiane Arndt-Pernau, Pfarrer Hardy Enseleit, Richard Blache, Andreas Schubert
Kontakt: Förderverein Klosterkirche Altfriedland e.V. c/o Carl-August von Oppen, Klosterstr. 5a, 15320 Neuhardenberg OT Altfriedland; E-Mail: info@klosterkirche-altfriedland.de
Internet: www.klosterkirche-altfriedland.de (Auf der Internetseite gibt es viele Informationen und Bilder über die Sanierungsmaßnahmen, die an der Klosterkirche notwendig sind. Außerdem werden Termine für geplante Veranstaltungen bekanntgegeben.)
Spendenkonto: Klosterkirche Altfriedland e.V., Konto-Nummer: 3000 678 122 bei der Sparkasse Märkisch-Oderland

Märkische Oderzeitung vom 05. Mai 2010

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