Engagement: Im Dreiklang für das Gotteshaus

Neuer Verein will Sanierung und Nutzung der Klausdorfer Kirche koordinieren

KLAUSDORF - Genau am 102.Geburtstag des Gotteshauses in Klausdorf ist am Dienstag ein Förderverein zum Erhalt des markanten Gebäudes gegründet worden. Fünf Bürger aus Klausdorf sowie zwei Bardenitzerinnen hoben ihn aus der Taufe. Zur Vorsitzenden gewählt wurde Antje Rettschlag. Stellvertreterin ist Claudia Schäfer.

Kräftig die Werbetrommel für weitere Aktivisten rühren wollen die Gründungsmitglieder am Sonnabend beim ersten Fest des Vereins an der Kirche. Dort wollen sie über die anstehende Arbeit sowie das Projekt zur Sanierung und künftigen Nutzung des Gotteshauses informieren.

Es gehört inzwischen der Stadt Treuenbrietzen. Ihr war es mit Auslaufen des Schuldrechtsanpassungsgesetzes zugesprochen worden. Die Kirchengemeinde hatte eine Übernahme abgelehnt.

Künftig soll es in Kooperation zwischen Verein, Kirchengemeinde und der Stadt Treuenbrietzen eine vielseitige Nutzung für das Haus geben. Ziel ist der Ausbau zum Treffpunkt für die 75 Einwohner des Dorfes sowie als Veranstaltungsort. "Konzerte, private Feiern, aber auch Gottedienste sowie weltliche und kirchliche Trauerfeiern sollen darin stattfinden", erzählt Claudia Schäfer. "Auch eine Außenstelle des Standesamtes wäre vorstellbar."

Bevor das alles soweit sein kann, sind umfangreiche Bauarbeiten zu erledigen. Bislang verfügt das Gebäude weder über einen Stromanschluss noch über eine Wasserversorgung und Heizung.

Laut einem Gutachten, das die Kirchenverwaltung bereits im Jahr 2005 erstellen ließ, müssten zirka 155 000 Euro investiert werden, um den Turm, das Dach, die Hülle und das Innere des Gebäudes herzurichten sowie Feuchteschäden zu beseitigen. Dazu kommen Kosten für die Installation von Elektronanlagen, Medienanschlüssen und Heizung. "Drei Bauabschnitte sind vorgesehen", sagt Claudia Schäfer. Der Verein habe bereits Kontakt mit der Denkmalbehörde der Kreisverwaltung aufgenommen. Zudem sollen Fördermöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen ausgelotet werden.

Hoffnungen ruhen zudem auf der Spendenbereitschaft der Klausdorfer Bürger. Immerhin hatten sie sich bereits vor gut 25 Jahren stark dafür eingesetzt, dass die Kirche nach damaligen Möglichkeiten einmal saniert und somit vor dem Verfall gerettet werden konnte.

Auch zum Weihnachtsmarkt des Jahres 2007 waren 1000 Euro zusammengetragen worden, die nun als Grundstock für die Vereinsarbeit eingesetzt werden. Pläne für eine vielseitige öffentliche Nutzung des Gotteshauses werden bereits seit dem Jahr 2005 geschmiedet.

Gründungsfest des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche am 1. Mai ab 17 Uhr rund um das Gotteshaus. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. (Von Thomas Wachs)

Vor dem Abriss gerettet

Eingeweiht wurde der Neubau der Klausdorfer Kirche am 27. April 1908.
Das Haus überstand relativ unbeschadet zwei Weltkriege, Renovierungen fanden aber nie statt.
Die Kirche verfiel zusehends, 1979 wurde sie bauamtlich gesperrt, der Abriss drohte. Bitten um Unterstützung lehnten Staat und Kirchenleitung ab.
Umfangreiche Spenden wurden 1984 gesammelt: 17 000 DDR-Mark kamen zusammen. So konnte eine Sanierung erfolgen, unterstützt von Betrieben, Handwerkern und vielen freiwilligen Helfern.
Wiedereröffnung war am 28. September 1986 mit einem großen Dorffest.

Der Aufbau der Klausdorfer Kirche stärkt die Gemeinschaft, glaubt Thomas Wachs

Lohnendes Engagement

Viel vorgenommen haben sich die vorerst sieben Akteure des neu gegründeten Fördervereins zur Rettung der Klausdorfer Dorfkirche. Das zuletzt verwaiste Gotteshaus hat eine Frischekur dringend nötig. Wäre es zu DDR-Zeiten nach dem Willen des Staates und auch nach dem von Kirchenoberen gegangen, stünde das Haus heute womöglich schon lange nicht mehr. Nur dem Engagement der gut 75 Dorfbewohner ist es zu verdanken, dass dieses markante Gebäude heute noch die Mitte des kleinen Ortes prägt. Bürger hatten 1984 mit einer Spendensammlung dafür gesorgt, dass eine von den Verantwortlichen abgelehnte Renovierung erfolgen konnte. Dieser Elan von damals kann den heutigen Aktiven Mut machen. Positiv ist zudem, dass drei beteiligte Institutionen es sich auf die Fahne geschrieben haben, die Kirche einer neuen Nutzung zuzuführen. Im Dreiklang von Kommune, Verein und Kirchengemeinde können Synergieeffekte erzielt werden. Diese werden auch nötig sein, um die nicht geringen Baukosten zu rechtfertigen. Sie werden größtenteils aus öffentlichem Fördergeld zu decken sein. Das ist nur gut angelegt, wenn das historische Haus eine umfassende Nutzung erfährt. Das Ringen darum lohnt sich in jedem Fall, stärkt es doch die Dorfgemeinschaft.

Märkische Allgemeine vom 29. April 2010

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