KIRCHE: Gift unter der Haube

Sankt Katharinen muss von Hylotox-Staub befreit werden

 
Die Fördervereinsvorstände Fred Litwinski, Martina Marx und Andreas Dieckmann wollen gemeinsam mit den 17 Mitgliedern um Spenden werben.
Foto: Marco Petig

Dichlordiphenyltrichlorethan ist besser unter der Abkürzung DDT bekannt, in der DDR wurde es unter "Hylotox 59" vertrieben. Seit seiner Entdeckung vor 70 Jahren wurde es zum weltweit verbreitetsten Insektizid, bis es auch in Deutschland 1977 verboten wurde. Restauratoren und Denkmalpfleger zittern, wenn sie einen alten Dachstuhl "anfassen" müssen.

Aus der Empore von Sankt Petri wurde das mit Holzschutzmittel mittels Vakuum-Waschverfahren entsorgt, an der Dom-Kita wechselte das Stift vorsichtshalber gleich den ganzen Dachstuhl.

Nun hat Achim Munziger vom Generalplaner-Büro Krekeler den krebserregenden Stoff auch in der Konstruktion der Turmhaube von Sankt Katharinen entdeckt. Beauftragt hatte den Architekten der Kirchturm-Förderverein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den Brandenburgern und ihren Gästen, "die schönste Aussicht der Stadt" wieder zu ermöglichen, nachdem der Aufgang zum Turm vor fünf Jahren gesperrt werden musste, weil der Aufstieg nicht mehr sicher war.

Etwa 33 000 Besucher besuchen die große Stadtkirche im Jahr, erzählt Kreiskantor Fred Litwinski. Viele von ihnen würden nach einem Aufstieg zum Turm fragen, den er leider ablehnen müsse. "Der Türmetag zeigt doch das riesige Interesse, einmal standen die Leute über den ganzen Platz bis in die Kirchgasse hinein."

Fördervereinschefin Martina Marx will gemeinsam mit ihren Vorstands-Mitstreitern Litwinski und Andreas Dieckmann Geld auftreiben, um den Zugang bis zur Aussichtsplattform (57 Meter) des 72,5 Meter hohen Turmes sicher und unbedenklich machen. "Für den ersten Bauabschnitt brauchen wir etwa 32 000 Euro", sagt Martina Marx. Das Geld wird verwendet, um eine staubdichte Decke unter der Turmhaube einzubauen und den ganzen Aufgang von dem möglicherweise giftigen Staub zu befreien. In einem zweiten Abschnitt werden Treppenstufen sowie Geländer erneuert – das kostet nochmals mindestens 15 000 Euro.

Wenige Tausend Euro hat der Förderverein beisammen, mit einem Benefizkonzert am 11. September am Vorabend des Türmetages sollen weitere Spenden erlöst werden. (Von André Wirsing)

Wer spenden will, kann den Förderverein erreichen unter Tel. (03381) 52 11 62 oder E-Mail kirchturm–st.katharinen@yahoo.de.

Märkische Allgemeine vom 08. April 2010

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