KIRCHEN: Wiederauferstehung in Bölzke

Die Restaurierung hat begonnen / Osterfeuer und Kürbisfest fallen aus / Radtour am 26. Juni, Baufest am 4. September

BÖLZKE - Es brennt. Ein Freudenfeuer ist es allerdings vielmehr, das da in Bölzke (Stadt Pritzwalk) seit dem Beginn der Arbeiten an der zu rettenden Dorfkirche lodert. In diesen Tagen hätte es dort sogar tatsächlich brennen sollen, wie es mit dem Osterfeuer in jedem Jahr Tradition ist. Auch in allen zehn Jahren, seitdem der Förderverein zum Erhalt der Bölzker Kirche unermüdlich wirkt. Dieses Mal allerdings fällt es aus.

Es gibt kein Feuer und doch flammende Freude, weil nun nach so langer Zeit die heiße Phase der Kirchenrettung läuft. "Durch die Baustelle lauern Gefahren an der Kirche, die Festlichkeiten unmöglich machen. Deswegen veranstalten wir dieses Jahr weder jetzt ein Osterfeuer noch das Kürbisfest im Herbst", erklärt die Fördervereinsvorsitzende Susanne Gloger. Sie formuliert das allerdings weniger mit Bedauern als vielmehr in Erwartungsfreude davor, wie die Kirche Balken für Balken, Gefach für Gefach wiederaufersteht.

Wie weit die Handwerker schon gekommen sind, sehen vor Ort sieben Pilgerer an diesem Gründonnerstag. Auf ihrem 22 Kilometer langen Fußmarsch über den Annenpfad (siehe Infokasten) verschnaufen sie an der Kirche. Reinhard Helm führt die Gruppe. Er gehört zum Förderverein und kann vor dem bereits nur noch hölzernen Skelett informieren: "Mindestens 50 Prozent der Balken müssen ausgetauscht werden. In die jetzt leeren Gefache werden die alten Ziegelsteine dann wieder eingesetzt. Auch einige Steine der noch originalen Dacheindeckung werden wiederverwendet." Die große Holzladung komme in der nächsten Woche. Die Steine auch vom Kirchenboden schichten unterdessen Andreas Friedrich und Ronny Furch vor dem Fachwerkgebäude weiter auf. "Die Steine müssen wohl schon öfter mal ausgetauscht worden sein", erkennt Friedrich. Er hält zwei verschiedene Größen in Händen, die auf ältere und neuere Zeit deuten lassen. Friedrich ist einer von drei Helfern, die dem Förderverein im Rahmen einer Arbeitsmaßnahme zur Seite stehen. Die läuft bis Ende August. Dann soll das meiste geschafft und der Zeitpunkt der Wiedereinweihung ein Stück greifbarer sein.

"Weil die Freude so groß ist", sagte Bernd Janowski vom Förderkreis Alte KirchenBerlin-Brandenburg vor kurzem der MAZ, hatte er sich entschieden, die Bölzker für den Februar 2010 zum zweiten Mal zur Kirche des Monats zu machen. Janowski entscheidet seit Jahren, welcher Kirche damit landesweit Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Lange dauere es nun nicht mehr, und auch die insgesamt 100. Monatskirche werde feststehen. Unter all diesen sei die Bölzker eine von sehr wenigen, die ein zweites Mal dieses Glück hatten. Veröffentlicht im Monatsbrief des Förderkreises Alte Kirchen wurde einer breiten Öffentlichkeit der Erfolg der Bölzker mitgeteilt. Sie schafften es, mit all den Benefizaktionen so viele Spenden zu sammeln, dass auch der Eigenanteil aufgebracht werden konnte: 25 000 Euro. Die Gesamtkosten von knapp mehr als 200 000 Euro wurden zu 75 Prozent gefördert, maßgeblich durch das Programm zur ländlichen Entwicklung. Darin sind sogar AnnenpfadInfotafeln vorgesehen. Auch sie werden stehen, wenn in genau einem Jahr zu Füßen der dann wiederauferstandenen Bölzker Dorfkirche doch wieder ein Osterfeuer brennt.

Die traditionelle Radtour wird stattfinden. Start ist Samstag, 26. Juni, 10 Uhr an der Kirche. Die Route führt diesmal nach Norden über Blesendorf, Halenbeck, Rohlsdorf und Brügge. Statt des Kürbisfestes ist für den 4. September ein großes Baufest geplant. Und ebenso wird bereits jetzt für den 2. Advent in die dann hergerichtete Kirche eingeladen. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 03. April 2010

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