KULTUR: Gotteshaus soll zum Festsaal werden

In Krangen hat sich ein Förderverein zum Erhalt der Dorfkirche gegründet

KRANGEN - Rolf Wunsch würde sich eigentlich eher als Atheisten bezeichnen. Dennoch setzt sich der 65 Jahre alte Krangener Ortschronist seit Jahren für die Sanierung der Kirche in dem rund 150 Einwohner zählenden Dorf ein. Und das mit einem ganz bestimmten Ziel: Wie viele seiner Mitbürger will er das 173 Jahre alte Gebäude als Veranstaltungssaal für Lesungen, Konzerte und private Feste nutzbar machen. "Allerdings nur für solche, die auch dem Charakter des Hauses entsprechen", wie er beteuert.

Um diesem Ziel näherzukommen, haben der Journalist im Ruhestand und seine Mitstreiter am Dienstagabend den "Förderverein zur Erhaltung der Krangener Dorfkirche" gegründet. Dieser zählt bereits 18 Mitglieder. Sobald das Finanzamt die Gemeinnützigkeit anerkannt habe, wolle man sich verstärkt um öffentliche Fördergelder und private Spenden bemühen. Auf die sei man angewiesen, um das ehrgeizige Projekt zu verwirklichen, sagt Wunsch.

Schon im Jahr 2003 fassten er und einige Bewohner aus Krangen, Zermützel und Molchow den Entschluss, die damals völlig marode Kirche wieder herzurichten. In Eigenarbeit erneuerten sie das undichte Dach, sammelten Spenden und ließen schließlich auch die Fassade erneuern. Rund 120 000 Euro betrugen die Kosten für den Aufwand. Für die restlichen Arbeiten werde mindestens noch einmal so viel Geld benötigt, schätzt der Krangener Ortschronist.

"Von außen ist die Kirche wieder schön, nun muss noch der Innenraum saniert werden", sagt er. Eine Heizung soll installiert, der Fußboden neu gemacht werden. Geplant sind außerdem Toiletten, ein kleiner Küchentrakt und eine Garderobe.

Es gibt allerdings auch Kritik an den Plänen, das Gotteshaus für weltliche Veranstaltungen zu nutzen. Laut Rolf Wunsch kommt die aber nur von einzelnen älteren Bewohnern, die um die Ruhe der rings um die Dorfkirche liegenden Gräber fürchten.

Ansonsten seien sich die Bewohner des Dorfes einig egal, ob religiös oder nicht. Der Kirchengemeinderat unterstütze das Vorhaben ebenso. "Atheisten und Gläubige arbeiten Hand in Hand an der Verwirklichung der Pläne", so Wunsch. (Von Alexander Pitz)

Märkische Allgemeine vom 25. März 2010

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