VERBORGENE SCHÄTZE: Engel mit gestutzten Flügeln

Wandmalereien in der Patronatskirche

SCHULZENDORF - Mit zwei Schritten ist man in der Patronatskirche und schon vorbei an einer ihrer Attraktionen. Rechts gleich hinter der Eingangstür hängt die alte Kirchenuhr an der Wand. Hier unten kommt sie einem riesengroß vor, ist sie doch fast mannshoch. Die Zeit hat an ihr genagt.

Das Ziffernblatt ist rostig und fast durchsichtig, weil der Rost überall feine Löcher hinein gegraben hat. Wind und Wetter haben ihr halt über die Jahrhunderte zugesetzt. 1735 wird die Einzeigeruhr das erste Mal urkundlich erwähnt und zwar auf einer Rechnung. Die fand sich im Schulzendorfer Kirchenarchiv. Der Förderverein für die Erhaltung der Patronatskirche konnte die Uhr, wohl aber nicht ihr Ziffernblatt retten. "Darum bekam die Uhr nach dem Vorbild der alten ein neues Ziffernblatt", erklärt Heidi Burmeister.

Ist der Besucher erst einmal im Kirchenschiff, erwartet ihn auf den ersten Blick nichts Aufregendes. Oder doch? Sind da geradezu nicht Wandmalereien zu sehen? Ist auf der rechten Wand nicht ein Mann im Talar zu erkennen? Er hält eine Bibel in der Hand. Die Buchstaben darunter sind relativ gut zu lesen: "Eine feste Burg ist unser Gott" ganz klar ein Satz des Reformators Martin Luther. Irgendwann einmal, verrät Heidi Burmeister, soll die Luther-Malerei restauriert werden. Dafür aber brauche der Verein noch das nötige Geld.

Besser steht es um die beiden goldenen Engel rechts und links auf der Wand zwischen Kirchenschiff und Anbau mit Altar. Sie sind momentan fast kaum zu erkennen. Nur mit Mühe lassen sich die Flügel ausmachen. Um sie herum ranken sich Blätter von zartem Grün. Für die Restaurierung gibt es schon konkrete Angebote, die der Förderverein aber noch mit der Kreisdenkmal-Behörde besprechen möchte. Dann kann es bald losgehen mit der Arbeit.

Neben dem noch kopflosen Luther hängen weiter links zwei große Tafeln aus Holz. Darauf sind bemalte Bleche zu sehen, die Wappenpaare zeigen, die wiederum jeweils oben und unten von sogenannten Allianzwappen eingerahmt sind. Das sind Darstellungen zweier Wappen, deren Träger Personen, Länder, Fürsten- oder Bistümer durch eine Allianz verbunden sind. Die Jahreszahl darunter lässt sich mühelos erkennen, 1694. "Wahrscheinlich sind das Ahnentafeln des Ritters Arndt Friedrich von Pfuel (1605-1673) und Catharina Sophia von Britzke einerseits und ihrem zweiten Gatten Major Moritz Balzar von Gersdorf andererseits. Auch sie sollen auf lange Sicht ihre alte Schönheit und ihren farbigen Glanz zurückerhalten. Bisher, so Heidi Burmeister, habe die Mittelbrandenburgische Sparkasse als Sponsor bei der Wiederherstellung der Patronatskirche sehr geholfen.

Für die Forschung im Verein ist vor allem Klaus Schädel zuständig. Ihm sind schon viele wichtige Erkenntnisse zu verdanken. Er hat auch herausgefunden, dass die neugotische Kirche wahrscheinlich auf Entwürfe von Friedrich August Stüler zurückgeht. Im Domstiftsarchiv Brandenburg fanden sich Unterlagen zu einer "evangelischen Landkirche mit 200 Sitzen", die der Patronatskirche sehr nahe kommen. (Von Andrea Müller)

Märkische Allgemeine vom 13. Februar 2010

   Zur Artikelübersicht