KIRCHE: Ein Kleinod feiert 100. Geburtstag

60 000 Goldmark kostete 1910 der Wiederaufbau

GRÖBEN - Am Sonnabend lud die Gröbener Kirchengemeinde zum feierlichen Gedenken an die Wiedereinweihung der Kirche am 6. Februar 1910 ein. Mehr als 60 Besucher kamen und erfuhren von Pfarrer Peter Collatz und Susanne Gloger vom Förderkreis "Alte Kirchen Berlin/Brandenburg" Interessantes aus der Geschichte des Baus.

Nachdem die Kirche am Heiligen Abend 1908 durch Weihnachtsbaumkerzen in Brand geriet und nur noch die Mauern stehen blieben, dauerte es gerade mal 58 Wochen, bis sie in neuem Glanze wieder entstand. Die erste Gröbener Kirche wurde übrigens 1408 zerstört, doch dauerte es damals hundert Jahre, bis der Neubau geweiht werden konnte.

Für den damaligen Patron Gottfried von Badewitz war es Pflicht, den Bau wiederherzustellen, erklärte Peter Collatz. Dass er dazu mit Architekt und Königlichem Baurat Franz Heinrich Schwechten, dem Maler August Oetken und Bildhauer Wilhelm Sagebiel einige der bekanntesten Künstler im Kaiserreich verpflichtete, macht die Gröbener Kirche zu etwas ganz Besonderem.

60 000 Goldmark kostete der Wiederaufbau, der je zur Hälfte von Badewitz und der Brandschutzversicherung getragen wurde. Dafür entstand ein Bau, den Susanne Gloger als "preußische Reduzierung der rheinischen Üppigkeit" bezeichnet und der noch heute einen ganz besonderen Charme verströmt.

"Jeder ist dieser Kirche auf die ein oder andere Art verbunden" so Collatz. Neben den Kirchgängern sind Musikfreunde und Architekturfans gern gesehene Gäste. Diese konnten sich von der besonderen Akustik auch am Samstag überzeugen, als ein Flötentrio aus Berlin Musik erklingen ließ. Die Besucher genossen die Töne mit geschlossenen Augen und man verstand die Faszination, die dieser Bau ausübt. Für Gemeindekirchenratsvorsitzende Elisabeth Zahn ist die Kirche seit 1968 Teil ihres Lebens. "Mein Vater war der letzte Pfarrer in Gröben", sagt sie und so sei die Kirche für sie ein Zuhause. Am Sonntag sitzt sie an der Orgel und ist Ansprechpartnerin für fast alle Belange. "Für die Familie ist das nicht einfach, am Wochenende habe ich fast immer zu tun." Auch wenn Gottesdienste meist recht wenig besucht werden, gibt es doch 170 Gröbener Kirchenglieder, die sich um den Erhalt des Baus kümmern.

Der Förderverein hat kürzlich eine Heizung einbauen lassen. Derzeit überlegt man, wie die aufwendigen Wandmalereien erhalten werden können. Eine Restauratorin soll demnächst eine kleine Fläche zur Probe restaurieren. Dann wird entschieden, wie es weitergehen soll. "Das ist das Einzige, was noch zu tun bleibt" erklärt Zahn und erinnert sich an die aufregenden Bau- und Renovierungsarbeiten der vergangenen Jahrzehnte.

Im Geburtstagsjahr der Kirche gibt es wieder den Gröbener Musiksommer. Dazu haben sich sogar Vertreter des Dresdner Kreuzchores angesagt, freut sich Pfarrer Peter Collatz auf weitere Höhepunkte. (Von MIke Jentsch)

Märkische Allgemeine vom 08. Februar 2010

   Zur Artikelübersicht