SANIERUNG: Die Dachsteinaktion ist vorbei

Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche bereitet nächste Bauphase vor

 
Jahrelang deckte jeder mittlere Sturm diverse alte Ziegel ab, jetzt ist das Dach der der Sankt-Marien-Andreas-Kirche neu gemacht.
Foto: Rietschel

RATHENOW - Jeder kann es sehen: Das Dach der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist neu gedeckt. Deshalb hat der Förderkreis zu ihrem Wiederaufbau seine populäre Spendenaktion, bei der Dachsteine für zehn Euro das Stück "verkauft" worden sind, nun eingestellt. Wie Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises, dieser Zeitung sagte, sind die Dachsteine der Reihenfolge nach bis zur Nummer 3679 veräußert worden, außerdem kamen auf Wunsch der Spender weitere zehn Ziegel mit bestimmten höheren Nummern an den Mann bzw. die Frau. Die Dachstein-Spendenaktion hat demnach also 36 890 Euro eingebracht.

"Die Aktion ist zwar vorbei", merkte Heinz-Walter Knackmuß an, "aber wer noch Dachsteine haben möchte, kann auch jetzt noch welche kaufen." Schließlich sei das Dach ja mit rund 44 000 Ziegeln gedeckt.

Schon vor einiger Zeit hat der Förderkreis seine Selbstverpflichtung von 250 000 Euro für den jetzigen Bauabschnitt der Kirche erfüllt. Die wichtigsten Schwerpunkte waren das Verstärken des Dachstuhls, das Neueindecken des Daches und der Einbau neuer Kreuzgewölbe ins Hauptschiff. Abgeschlossen ist der jetzige Bauabschnitt noch nicht ganz, weil aufgrund des Winters nicht weiter gebaut werden kann. So sind die Kreuzgewölbe noch von innen zu verputzen und muss das Baugerüst aus dem Hauptschiff wieder entfernt werden. Die Einweihung der Gewölbe soll nunmehr am 27. Juni mit einem Festgottesdienst vollzogen werden.

Fast wie nebenbei bringt der Förderkreis derzeit weitere 30 000 Euro auf, mit denen in diesem Jahr die Kreuzgewölbe der Marienkapelle wieder hergestellt werden sollen. Wenn alle Beiträge der Förderkreismitglieder für 2010 eingegangen sind, dann ist das Geld beisammen.

Für 2011 sind die Sanierung der Fassade und der Fenster des Hauptschiffes vorgesehen. Als sicher gilt, dass sich die Landeskirche hierbei mit einem stattlichen finanziellen Beitrag einbringen wird. Ein Beitrag des Förderkreises wird wohl auch gebraucht, aber die genaue Verteilung der Kosten steht derzeit noch nicht fest.

Da die Dachstein-Spendenaktion beendet ist, muss aber niemand nun Leerlauf befürchten. Schon am Freitag, dem 12. Februar, wird der Förderkreis um 14 Uhr in der Kirche seine neue Aktion starten. "Verkauft" werden dann Steine für die Säulen des Chorraums. Die sechs Säulen, die es dort früher gab, sollen wieder hergestellt werden, damit auch der Chorraum wieder Kreuzgewölbe erhalten kann. Durch besondere Fliesen im Fußboden ist noch heute zu erkennen, wo die Säulen früher gestanden haben. Für die sechs Säulen werden insgesamt 26 000 Steine gebraucht übrigens im größeren Klosterformat. Ein Stein wird für eine Spende von fünf Euro symbolisch "verkauft". Ab 100 Euro erhält der Spender eine Keramikplatte.

Säulen und Gewölbe des Chorraums werden um die 500 000 Euro kosten. "Der Zeitpunkt des Baubeginns kann jetzt noch nicht vorausgesagt werden", teilt Heinz-Walter Knackmuß mit, zuvor müssten erst die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden. Doch bleibt er auch angesichts der nächsten großen Spendenaufgabe entspannt und sagt: "Sowie das Geld zusammen ist, fangen wir mit dem Bau an." (Von Bernd Geske)

Bernd Geske über den Wiederaufbau der St.-Marien-Andreas-Kirche

Grenzenlos

Als 1999 mit der Sanierung des Turmstumpfes der Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche begann, wer hätte da geglaubt, dass 2010 auch bereits das Dach und die Gewölbe des Hauptschiffes fertig sind? Wohl nur die größten Optimisten. Selbst als im September 2001 der Bau des Turmes mit spektakulären Hubschrauberflügen sein Ende fand, waren viele Beobachter der Meinung, der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche habe sein Ziel erreicht. Immerhin hatte dieser bis dahin schon 561 000 Mark an Spenden eingeworben und versprochen, noch einmal 200 000 Mark nachzuschieben, weil der Turmbau viel teurer wurde als geplant. Es klang für manchen schon ein bisschen vermessen, als Verantwortliche des Förderkreises damals verlauten ließen, nun werde man beginnen, Spenden für Dach und Gewölbe zu sammeln. Wie viele Spenden kann man aus den Rathenowern und ihren Sympathisanten für eine Kirche heraus holen? Diese Grenze ist noch lange nicht erreicht, das haben die letzten Jahre gelehrt. Niemand wagt heute mehr zu orakeln, dass die Möglichkeiten des Förderkreises einmal erschöpft sein könnten. Stück für Stück wird die Kirche wieder aufgebaut und aufgehört wird erst, wenn alles fertig ist und eine neue Orgel gehört dann auch mit dazu.

Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2010

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