KIRCHE: Alle vier Glocken sollen wieder läuten

Niederlehmer Förderverein bewirbt sich um Startkapital

NIEDERLEHME - "Sobald in der Kirche ein ordentliches Klima herrscht, kommen die Leute auch", erklärt Matthias Zietz. Er bezieht sich auf die marode Heizung, mit der die Niederlehmer ihr bald 100 Jahre altes Gotteshaus bei dieser Witterung sonntags nie und nimmer warmkriegen. Das ordentliche Klima könnte aber genauso die Pläne des Fördervereins umschreiben, aus der evangelischen Kirche einen zentralen, gastlichen Ort innerhalb des Dorfes zu machen, an dem sich Gemeindemitglieder, Vereine und Bürger treffen. Auch solche, die weniger im Gottesdienst sitzen.

Im Sommer trat der Förderverein zusammen. Zwischenzeitlich hat er 13 Mitglieder, denen am Herzen liegt, dass die Kirche im Dorf bleibt. Oder: wieder dorthin zurückkehrt. Lange Zeit war sie nicht unbedingt das Hauptaugenmerk von Gemeinde und Kirchenkreis. Gottesdienste finden nur einmal im Monat statt, im Wechsel mit Senzig und Zernsdorf, die gleichermaßen zur evangelischen Lukasgemeinde gehören. "Der Kirchenkreis Neukölln stuft die Kirche unter ,Status drei’ ein", schildert Matthias Zietz, "das heißt, sie bekommt wenig bis gar keine Fördergelder und der Gemeindekirchenrat kann uns finanziell nicht unter die Arme greifen." Zietz ist Vorsitzender des Fördervereins, der ab sofort als Kirchenlobby auftritt. Einen Brief an den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat der Ingenieur aus Senzig vorige Woche abgeschickt, in welchem er die Niederlehmer Gruppe vorstellt. Nicht ohne Hintergedanken: Pro Jahr vergibt der Verband fünfmal je ein Startkapital von 2500 Euro für neue Kirchfördervereine. 2009 ging solch ein Zuschuss nach Halbe. Das hat die Niederlehmer motiviert: "Unsere Kirche ist die einzige in der gesamten Gemeinde", betont Zietz darauf gemünzt, dass Senzig und Zernsdorf mit dem Gemeindehaus respektive der Kapelle keine charakteristischen Kirchbauten haben. "Abgesehen davon ist sie die schönste Kirche", setzt er eins drauf.

Gebraucht würde das Startkapital aus dem Fördertopf auf jeden Fall, denn in der Kirche gibt es gleich mehrere Baustellen: Das Dach muss repariert werden – "an einer Stelle regnet es schon durch" – eine neue Heizung ist fällig sowie die Befestigung des Glockenstuhls: "Im Augenblick können wir nur zwei von vier Glocken läuten, alles andere wäre ein Sicherheitsrisiko", fügt Matthias Zietz an. Etwa 10 000 Euro würde allein diese Sanierung kosten. Ein Drittel des Geldes hat der Verein beisammen – nicht genug.

Und noch ist nicht an die historische Orgel gedacht, die seit Wochen ein zusätzliches Handicap hat: "Der Motor ist ausgefallen. Wir brauchen einen neuen Schalter, der um die 200 Euro kostet. Da sind wir dran, das Problem ist bald gelöst", gibt sich der Fördervereinschef zuversichtlich. Ihren nächsten Angriffspunkt haben die Mitglieder bereits im Auge: Das Nebengrundstück der Kirche, im Moment unkrautüberwuchert, wollen sie roden und urbar machen. Für Feste, für Freiluftveranstaltungen, als Parkplatz für Gottesdienstbesucher. Denkbar wären auch ein Spielplatz hinter der Kirche und eine Streuobstwiese. Dafür hat der Naturschutzbund schon Unterstützung bekundet. Matthias Zietz: "Ich bin überrascht, was mit Engagement alles möglich ist." (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2010

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