KIRCHE: Holzfigur in Schönheitskur

Ehepaar bezahlt Restaurierung des Rohrbecker Taufengels / Geld für zweiten Bauabschnitt des Gotteshauses ist bewilligt

ROHRBECK - Der Taufengel der Rohrbecker Kirche ist ein recht eigentümliches Stück. Die barocke Holzfigur ist der ganze Stolz der Kirchengemeinde, aber auch ein bisschen das Sorgenkind. Seit er einmal um 1960 abgestürzt ist, fehlen ihm alle Fingerkuppen, und auch der Daumen der linken Hand ging damals verloren. Die Taufschale hält der Engel seither recht wackelig in den Händen. Wenn sie voll Wasser ist, reicht eine Unachtsamkeit, ein kleiner Rempler, und es gibt eine Schweinerei.

Bei den fünf bis zehn Taufen, die in der Kirche pro Jahr stattfinden, mussten sich deshalb alle Beteiligten vorsichtiger in der Nähe der Taufschale bewegen. Doch das hat ein Ende. Die beiden Restauratoren Thoralf Herschel und Matthias Schmerbach haben den Engel am Montagnachmittag abgehängt, eingepackt und in Schmerbachs Werkstatt nach Falkensee gefahren. Dort soll er innerhalb der nächsten Wochen restauriert werden.

Die Finger werden nachgeschnitzt, die Farb-, Silber- und Lackschichten wieder aufgebessert, die Aufhängung soll so verändert werden, dass sich der Engel künftig leicht auf- und abbewegen lässt, und die Fachleute werden sich auch eine Lösung für die Taufschale einfallen lassen. Das Messingstück, das eine Rohrbeckerin laut Inschrift im Jahr 1688 der Kirche gespendet hat, wird zu einem echten Problem, wenn die Hände des Engels wieder vollständig sind. Es ist zu groß für die schmalen Greifer des hölzernen Taufpaten. "Momentan hält die Schale nur, weil der zweite Daumen fehlt", sagt Matthias Schmerbach. Wie sie vor dem Absturz eingepasst war, lässt sich nur schwer rekonstruieren.

Der Rohrbecker Kirchengemeinde passt die Aktion nicht nur wegen der Taufen gut ins Konzept. Die Gemeinde ist ohnehin gerade dabei, ihre Kirche zu sanieren. Der erste Bauabschnitt ist im vorigen Jahr abgeschlossen worden. In diesem Jahr soll die Fassade gemacht werden, das Mauerwerk wird getrocknet und alles wird neu verputzt. Das Fördergeld ist schon bewilligt. Das Land Brandenburg gibt zwar nur 30 000 statt der erhofften 50 000 Eu-ro dazu, aber das kompensiert die Rohrbecker Kirchengemeinde, indem sie auf eine unterirdische Entwässerung verzichtet und das Regenwasser einfach oberirdisch ableitet. "Dann passt das wieder", sagt Elisabeth Fleisch vom Gemeindekirchenrat.

Der dritte Bauabschnitt wird auch schon geplant. Dann wird endlich das Innere der Kirche aufgehübscht. Bis dahin wird es freilich noch eine Weile dauern, mindestens ein Jahr. Der restaurierte Taufengel wird für die Gemeinde deshalb ein erster Vorgeschmack darauf, wie die ganze Kirche nach Abschluss der Sanierungsarbeiten aussehen könnte.

Bezahlt wird die Sanierung des Engels von Manfred und Brigitte Baier aus Falkensee. Die beiden sind zwar eigentlich Mitglied in der Finkenkruger Kirchengemeinde, aber sie lieben Dorfkirchen generell. Sie haben in einer geheiratet und nehmen seither jede Möglichkeit wahr, sich Sakralbauten in den Dörfern der Region anzuschauen. "Als wir gelesen haben, dass die Rohrbecker Kirche Unterstützung braucht, haben wir nicht lange überlegt", erzählt Brigitte Baier. Und der Taufengel bot sich als Spende an. Brigitte Baier: "Wir haben fünf Enkelkinder. Für die soll die Figur ein Schutzengel sein."

Erfreuen sollen sich die Rohrbecker erstmals an der aufgearbeiteten Figur bei einem Dankgottesdienst Anfang März. Bis dahin soll der Engel fertig sein. Möglicherweise sind auch die Jugendstilfenster aus dem Kirchenschiff bis dahin wieder stabil und ordentlich. Die wurden gestern von Restauratoren ausgebaut und mit einer Notverglasung ersetzt. (Von Oliver Fischer)

Taufengel

Die oft aus Holz geschnitzten Figuren kamen in der Barockzeit um 1700 in Mode. Die Engel hielten die Taufschale in den Händen und wurden mit einem Seilzug heruntergelassen.
Weil Dorfkirchen oft klein waren, wurden sie als platzsparende Alternative zum steinernen Taufbecken eingesetzt. Im späten 18. Jahrhundert nahm ihre Beliebtheit aber vorübergehend ab. Ver

Märkische Allgemeine vom 03. Februar 2010

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