Mitglieder wirken meist still im Hintergrund

Von Doris Steinkraus

 
Klanggarten: Den gibt es in der Kita "Arche Noah" jetzt. Die Steppkes sind mit Eifer dabei.
Foto: jm

Seelow (MOZ) Ende 2009 haben wir in einer MOZ-Serie täglich einen Verein vorgestellt, insgesamt 65. Wir setzen 2010 diese Serie in loser Folge fort. Heute: Förderverein Freundeskreis Stadtkirche Seelow

Es war eine Aufgabe, die möglicherweise gut ein Jahrzehnt in Anspruch genommen hätte. 1994 war der Förderverein Wiederaufbau Kirchturm gegründet worden. Mehr als eine Million Mark waren für das Vorhaben veranschlagt. Viel Geld, für das die Akteure um den damaligen Vereinsvorsitzenden, Seelows Bürgermeister Udo Schulz, sicher lange hätten sammeln müssen. Mehr als 100 Mitglieder zählte der Verein damals. Die Bereitschaft vieler, etwas für die Schaffung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Wahrzeichens der Stadt zu tun, war groß.

Bei den Recherchen stellte sich heraus, dass der berühmte Versandhauskönig Werner Otto in Seelow geboren und in dieser Kirche getauft wurde. Der Zufall wollte es, dass dieser Mann seit jeher soziale und kulturelle Vorhaben in ganz Deutschland fördert. Die Bitte um Unterstützung für das ehrgeizige Vorhaben erwies sich als der berühmte "Sechser im Lotto". Das Unternehmen von Werner Otto (ECE - Bau und Betrieb von Einkaufszentren) nahm den Wiederaufbau komplett selbst in die Hand. 1998 war der Kirchturm nach altem Vorbild wieder aufgebaut.

Hatte sich damit der Verein überholt? "Es gab ein so großes Miteinander, das sollte nicht einfach wieder aufgegeben werden", so Reiner Hempe. Er ist nicht nur seit Jahren aktives Gemeindemitglied in der Seelower Kirche, sondern seit 2003 auch Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Stadtkirche. Diese Namensänderung war beschlossen worden, denn der Kirchturm grüßt seit mehr als zehn Jahren nun wieder alle Seelower und ihre Gäste weithin. Arbeit gibt es dennoch genug, weiß Reiner Hempe.

Für Außenstehende ist das keinesfalls immer sichtbar. "Viele der jetzt 30 Mitglieder wirken auch in der Kirchengemeinde mit. Da nimmt man den Anteil des Vereins gar nicht so wahr", weiß der Vereinsvorsitzende. Doch die Palette sei breit.

So gab es nach der Einweihung des Kirchturms noch weitere Vorhaben im Gotteshaus. Der Sakralraum wurde umfassend saniert. Auch hierfür griff Werner Otto noch einmal tief in die Tasche. Der Förderverein sorgte dafür, dass im Kirchturm wieder eine Uhr installiert wurde. Die Scheinwerfer zur Beleuchtung des Gotteshauses sind ebenfalls Verdienst des Vereins. Für Hörschwache wurde eine Kofphöranlage angeschafft. Die auch gern genutzt wird, weiß Hempe. Am Glockenturm wurde ein Schutzgitter installiert und für Veranstaltungen ermöglichte der Verein die Anschaffung von Stehtischen. "Ob beim Stadtfest, beim Weihnachtsmarkt, touristischen Angeboten oder der Kultursommernacht. Immer sind auch Vereinsmitglieder vor Ort, übernehmen zum Beispiel Führungen im Kirchturm", so der 51-Jährige.

Nicht zu vergessen das Projekt "Musikalische Früherziehung" in der evangelischen Kita "Arche Noah". Seit 2004 hat der Förderverein einen Honorarvertrag mit der Musikerin Antje Finkenwirth. Sie führt zweimal in der Woche sowohl mit den kleineren als auch den größeren Kindern die musikalische Früherziehung durch.

Ein Schwerpunkt bildet zudem die Restaurierung einer Orgel. Die jetzige - sie stammt aus dem Kirchenabriss in Platkow - hat schon viele Mängel. Derzeit wird an der gekauften gebrauchten Orgel bereits gearbeitet. "Immer so, wie das Geld zur Verfügung steht", erklärt Reiner Hempe. Noch fehlen rund 16 000 Euro. Hempe hofft, dass dieses Geld im Laufe des Jahres noch zusammenkommt. Im Herbst soll die neue Orgel zum ersten Mal erklingen. Für den Förderverein ist es wieder ein Schritt, um die Kirche weiter als Anlaufpunkt auch außerhalb des Kirchenlebens für attraktiv zu gestalten. Mit einem Euro Mitgliedsbeitrag im Monat kann man dieses Anliegen schon unterstützen. "Wir würden uns vor allem auch über junge Leute freuen", so Reiner Hempe.

Märkische Oderzeitung vom 18. Januar 2010

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