Drei Kerzen für Glambeck

Von Viola Petersson

 

Friedrichswalde (MOZ) Sie hat keinen Turm, keine Uhr und keine Orgel. Dennoch ist die Dorfkirche von Glambeck ein ganz besonderes Gotteshaus. Bürger haben sie Ende der 90er Jahre vor dem endgültigen Verfall gerettet. Am Sonntag feierte die Gemeinde den 10. Jahrestag der Wiederweihe.

Selbst die Kirche hatte die Kirche aufgegeben. Umso glücklicher ist Pfarrer Ralf Schwieger, dass es dennoch gelungen ist, das Gotteshaus zu erhalten. Voller Freude und Stolz begrüßt er am Sonntagnachmittag die Gäste, darunter Bischof Markus Dröge und den ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, die trotz Eis und Schnee den Weg nach Glambeck gefunden haben, mit einem Vers aus Psalm 147: "Er gibt Schnee wie Wolle, er wirft sein Eis wie Brocken, wer kann bestehen vor seinem Frost."

Die Antwort gibt der Pfarrer sogleich selbst: "Wir." Nach zweijähriger Sanierung war die kleine Fachwerkkirche im Januar 2000 - ebenfalls an einem winterlichen Sonntag - wiedergeweiht worden. Heute sei die Kirche nicht nur ein Ort für Gottesdienst, sondern auch für Kunst und Einkehr. In dem kleinen Haus am Welsetal rasten Touristen und finden Konzerte statt. Die Rettung sei ein Zeichen, sagt der Pfarrer. "Ein Zeichen für die Leidenschaft vieler Bürger für ihre Kirche."

Bischof Dröge, zum ersten Mal im Barnim überhaupt, zeigt sich beeindruckt von der "schlichten Anmut" der Fachwerkkirche, die zwar keinen Turm hat, dafür aber ein handgeschmiedetes Kreuz. Und laut Dröge zu den "berühmtesten Dorfkirchen" im Land gehört. Nachdem sein Vorgänger Bischof Huber bei der Wiederweihe 2000 drei Schlüssel für die unterschiedlichen Nutzungen überreicht hatte, hat sich Dröge zum zehnten Jahrestag der Rettung für drei Kerzen als Geschenk entschieden. Eine Kerze für den Ort der Stille, eine für das kulturelle Leben und eine für den Gottesdienst. Auf die wechselvolle Geschichte dieser "Arme-Leute-Kirche" eingehend, sagt Dröge: "Ich bin dankbar, dass sich Menschen gefunden haben, sie wieder aufzubauen." Fast wäre das Licht in dem Gotteshaus nämlich für immer erloschen. Der letzte Gottesdienst hatte 1978 stattgefunden. Das Fachwerk verfiel, Mitte der 90er Jahre erklärte die Kirche schließlich, dass man das Gotteshaus Glambeck entbehren könne. Die Rettung kommt 1997 in Gestalt engagierter Bürger, die sich wenig später im Verein Denkmale Glambeck zusammenschließen. Insofern, so Dröge, mögen die drei Kerzen die Kirche auch künftig erstrahlen lassen und ihren Glanz bewahren helfen.

Manfred Stolpe, vor zehn Jahren das letzte Mal in Glambeck, wie er sagt, freut sich vor allem über die Nutzung als Fahrradkirche. Und vielleicht, so Stolpe, können Verein und Kirchengemeinde weitere Ideen entwickeln. "Beispielsweise einen Pilgerweg."

Doch es sind nicht nur die Honoratioren, die sich an diesem Sonntag erinnern, sich freuen und Dank sagen. Es sind auch Glambecker wie Heinz Stolzenburg (84 Jahre) und Rosa Stein (85), die Ehrenmitglieder im Denkmal-Verein sind. Beide wohnen seit einigen Jahren in der Seniorenresidenz Joachimsthal, wollten aber unbedingt an dem Festgottesdienst teilnehmen. "Ich bin hier geboren", erzählt Rosa Stein, deren Vorfahren noch beim Grafen gearbeitet haben. "Das ist meine Heimat." Ähnlich empfindet Heinz Stolzenburg, obgleich kein gebürtiger Glambecker. "Ich war in der Schmiede tätig." Anerkennung ebenso von den Denkmalschützern Angus Fowler und Roland Gabsch. Glambeck galt als "hoffnungsloser Fall", so Fowler. Heute sei es ein "leuchtendes Beispiel" für die Mischnutzung.

Märkische Oderzeitung vom 11. Januar 2010

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