Alte Fundamente in Prötzel freigelegt

Von Oliver Fliesgen

 

Prötzel (MOZ) Seit Mitte Oktober wird die historische Schlosskirche von Prötzel saniert. Doch die Bauarbeiten sind ins Stocken geraten, denn im Kircheschiff wurden überraschend mehrere alte Fundamente freigelegt.

Bis zum November sollen die Sanierungsarbeiten an der 1698 erbauten Kirche abgeschlossen sein. "Wir werden unseren Zeitplan einhalten", erklärte die zuständige Architektin Bettina Krassuski aus Angermünde. Bei den Fundamenten am Fuße der künftigen Empore und der Familiengruft der Familie von Eckardtstein handle es sich um Vorgängerbauten, erklärte die Architektin. "Wir haben auch Reste des Turmes entdeckt, der bis 1786 an der Westseite der Kirche stand", so Bettina Krassuski.

Die Reste mussten erst von einem Archäologenteam untersucht werden. Außerdem habe man mehrfach Konzepte umwerfen und neu festlegen müssen. "Wir haben aber mit der Denkmalschutzbehörde nach Lösungen gesucht und sie auch gefunden", sagte die Architektin.

Bisher habe man sich deshalb auf die Bauarbeiten am Küsterhaus konzentrieren müssen, wo man den Dachstuhl saniert, Anbauten entfernt und die auch die Fassade instand gesetzt habe. Der Beginn der Arbeiten an der Kirche selbst werde in den nächsten Wochen erfolgen. Vorgesehen sind unter anderem die Sanierung des Kirchendaches, der Fassade und des Kircheninneren. Dort soll auch ein neuer Gemeinderaum entstehen, der in der ehemaligen Winterkirche entstehen wird - ein in der kalten Jahreszeit genutzter, abgetrennter beheizbarer Teil der Kirche.

Die Kosten der Restaurierung belaufen sich auf 674 000 Euro, der Löwenanteil wird mit EU-Mitteln gefördert. Die evangelische Landeskirche und der Kirchenkreis Fürstenwalde-Strausberg steuern rund 200 000 Euro bei. Den Restbetrag teilen sich die Gemeinde Prötzel, das Amt Barnim-Oderbruch, die Stiftung Denkmalschutz und die Familie von Eckardstein.

Auch der 2004 gegründete Förderverein "Schlosskirche Prötzel" sammelte jahrelang für die Dorfkirche. Der Verein warb intensiv für die Restaurierung des Gotteshauses. Eberhard Klemke, sowohl Vereinsmitglied als auch Kirchenältester in Prötzel, freut sich, dass die Sanierungsarbeiten bald in ihre heiße Phase treten. Der 72-Jährige beobachtete voller Ungeduld die Untersuchungen der Archäologen. "Das mir etwas zu lange gedauert, aber ich bin zuversichtlich, dass es bald losgeht und die Arbeiten bis zum Herbst abgeschlossen sein werden. Damit haben wir unser Ziel erreicht", sagte Klemke.

Mit der Restaurierung der Schlosskirche sei aber die Arbeit des Vereins noch lange nicht beendet. "Wir haben unsere Satzung derart verändert, dass wir uns in Zukunft um kulturelle Veranstaltungen in der Kirche kümmern werden", kündigte Klemke an. In den vergangenen Jahren haben immer wieder Künstler ausgestellt und das solle auch bleiben.

Märkische Oderzeitung vom 07. Januar 2010

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