KIRCHE: Ein besonderer Advent

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für den Bau der Friedenskirche gelegt / Nach Jahren des Verfalls erstrahlt neuer Glanz

WILDAU - Mit dem Adventslied aus dem Jahre 1640, "Nun jauchzet all ihr Frommen", begann die Kirchengemeinde ihren Gottesdienst am dritten Adventssonntag. "Wir haben allen Grund zur Freude", sagte Pfarrerin Cornelia Mix zur Eröffnung und erinnerte an den 12. Dezember 1909, als die Christen in Wildau-Hoherlehme den Grundstein für die heutige Friedenskirche legten.

Zum 100. Jahrestag dieses Ereignisses übernahm Generalsuperintendent Ralf Meister die Festpredigt. "Schon immer wurden Grundsteine, Säulen und Pfeiler als künftige Mitte des Hauses zur Mitte der Erde gerichtet. Die Menschen wollen damit dem Zentrum der Erde möglichst nahe sein", sagte er. Jedes Haus sei eine Antwort auf die Bedürftigkeit der Menschen. Er erinnerte an die Heilige Nacht als "die berühmteste Raumsuche" in der Geschichte des Kulturkreises. Dieses Raumsuchen durchdringe das ganze Leben eines Menschen.

Letztmals hatte Meister vor einem Jahr die Gemeinde in Wildau besucht und sich damals schon von der stimmungsvollen Friedenskirche im Jugendstil fasziniert gezeigt. Sie sei in den vergangenen 100 Jahren ein Raum für die Orientierung für Tausende Menschen in und um Wildau gewesen.

Das Gotteshaus war im Mai 1996 wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. Eine mühsame Sanierung und Restaurierung begann, die immer noch nicht abgeschlossen ist. Anfang Dezember wurde das neue Dach fertiggestellt, jetzt muss noch die Jugendstilmalerei an der Decke ergänzt werden. Viel Geld sei noch nötig, auch für andere Arbeiten, betonte Pfarrerin Cornelia Mix. Die Gemeinde lasse daher nicht in ihrer Spendensammlung nach. Ein großer Trödelbasar im Obergeschoss des Pfarr- und Gemeindehauses öffnet dazu regelmäßig seine Pforten und bietet von Büchern und Schallplatten, Deckenlampen aus Omas Zeit, alte Stühle, Gläser und vieles mehr. Eine richtige Fundgrube für Sammler. 6000 Euro wurden aus den Erlösen bereits der Sanierungssumme zugeführt. "Ich bin den Wildauern für jede Spende dankbar, sie reichten von 5 Euro bis 1000 Euro", berichtete Mix. "Wir wollen aber nicht nur nehmen, sondern auch eine Menge zurückgeben. Ich stehe allen auch Nichtchristen jederzeit bei Problemen und in der Not für Gespräche zur Verfügung."

Nach dem Festgottesdienst versammelten sich Besucher zur Grundstein-Geburtstagsfeier mit Kaffee und Kuchen im benachbarten Pfarr- und Gemeindehaus. "Für viele von uns ist die Kirche ein besonderer Ort. Hier wurden in den 80er Jahren meine Töchter konfirmiert", sagte Ursula Degner vom Gemeindekirchenrat. Im neuen Jahr beginnen die Vorbereitungen zum 100. Kirchen-Geburtstag. Die Kirche wurde 1911 geweiht. Vorher aber soll sich Besinnung in der Advents- und Weihnachtszeit breit machen. Am 19. Dezember ist ein Konzert der Schulkinder, Heiligabend gibt es Andachten und Krippenspiel und am 26. Dezember einen Gottesdienst mit dem Kantatenchor. (Von Uta Schmidt)

Märkische Allgemeine vom 15. Dezember 2009

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