DENKMALSCHUTZ: Keine Pfützen mehr in der Kirche

Das Gotteshaus von Groß Ziescht wird mit Fördermitteln saniert

GROß ZIESCHT - Sogar Martin Luther war hier. Eine Kirchen- und Schulvisitation führte den Reformator im Jahre 1529 in die spätromanische Kirche von Groß Ziescht. Eingeweiht worden war sie vermutlich schon im Jahre 1229. Im 16. Jahrhundert brannte sie aus, im Dreißigjährigen Krieg lagerten die Schweden darin. Und nun trägt das halbe Dorf dazu bei, dass der Feldsteinbau auch mindestens die nächsten 100 Jahre übersteht. Mit 13 000 Euro trug der Förderverein Dorfkirche Groß Ziescht zur Sanierung bei obwohl der Baruther Ortsteil nur 150 Einwohner hat.

Insgesamt 165 000 Euro mussten investiert werden. Ein Fördermix aus Mitteln des Landes Brandenburg, des Landkreises Teltow-Fläming und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse machte es möglich. Die Landeskirche und der Kirchenkreis gaben jeweils einen fünfstelligen Zuschuss. Mitte nächster Woche wird das neue Dach fertig.

"Nach jedem Regen eine Pfütze in der Kirche das war ja kein Zustand mehr", erinnert sich Pfarrer Georg Thimme. Das Dach war besonders an der Nahtstelle zum Turm undicht. Der Dachstuhl litt unter Feuchte und holzzersetzenden Pilzen. Wo die Sparren aufs Mauerwerk trafen, machte sich eine sogenannte Fußputzsanierung erforderlich. Architekt Matthias Reckers: "Die äußeren Mauerschwellen waren völlig hinüber, das äußere Fachwerk des Turms war stark in Mitleidenschaft gezogen. Gesimse und Fugen mussten neu verputzt, der Glockenturm statisch ertüchtigt werden."

Martin Behnisch hat den Baufortschritt immer vor Augen, denn er wohnt im Pfarrhaus direkt gegenüber. Der Vorsitzende des Fördervereins ist ein ruhiger Mann, doch seine Augen leuchten angesichts des neuen Dachs mit Sakral-Biberschwänzen, das sind speziell für Kirchenbauten angefertigte Ziegel. Der Theologe, der vor Jahren aus Potsdam ins Urstromtal umgezogen war, betont: "Die Kirche hat einen hohen Stellenwert im Ort auch bei denen, die nicht in der Kirchengemeinde sind. Wir wollen den Kirchhof wieder zum Zentrum des Dorflebens machen." Der Verein organisierte Dorffeste im Kirchhof und verwendete den Erlös, um den Eigenanteil für die Sanierung zusammen zu bekommen. Vor den Bauarbeiten, die im Juli begannen, räumten Mitglieder des Fördervereins den Dachstuhl frei, schleppten zehn Kubikmeter Schutt heraus.

"Wir wollen auch innen noch ein paar Schönheitsreparaturen aus eigener Kraft machen lassen", kündigt der Vereinschef an. Die Orgel soll überholt werden, was nochmal an die 10 000 Euro kosten wird, das Kircheninnere muss gemalert werden. Wie genau es dann aussehen wird, weiß selbst Architekt Reckers nicht genau: "Das ist noch mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen. Bei Suchschnitten haben wir graue Farbe und Ornamentik entdeckt."

Bis zum Frühjahr finden die Gottesdienste weiterhin im Gemeinderaum statt. (Von Gudrun Schneck)

Märkische Allgemeine vom 12. Dezember 2009

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