KIRCHE: Drinnen wie draußen

Kultur im offenen Kirchenschiff / Förderverein setzt sich weiter für Restaurierung ein

KRÄNZLIN - Draußen nieselt es. Drinnen spielt das Blechbläserquintett der Kreismusikschule Adventslieder und festliche Kompositionen alter Meister. Etwa 30 Leute erfreuen sich an dem Konzert in der Kränzliner Kirchenruine bis Zuhörer, Musiker und Notenblätter durchnässt sind. Denn in dem unbedachten Kirchenschiff ist es drinnen wie draußen: Vom Himmel regnet es unentwegt.

Doch die Gruppe lässt sich am Freitagabend nicht beirren und zieht kurzerhand ins Turmzimmer um, wo die Bläser unter Leitung des Musikschulleiters Harald Bölk weiter musizieren und das "Engelskonzert" präsentieren eine musikalische Weihnachtserzählung von Tom und der Zaubertrompete.

Später stehen die Gäste plaudernd beieinander und wärmen sich an einer großen Feuerschale in der Kirche, deren Dach seit Anfang der 70er Jahre zerstört ist. Die marode Kirchturmspitze, die damals abgerissen werden sollte, war in das Kirchenschiff gestürzt. Seither ist es eine Ruine.

Der Förderverein, der sich um den Erhalt des 800 Jahre alten Hauses kümmert, hatte die Musiker ins Dorf geholt. Mehrmals im Jahr organisiert der Verein Veranstaltungen und sammelt dabei Spenden für den Aufbau der Kirche.

Momentan hat der Verein 33 Mitglieder. Seit seiner Gründung im September 1998 hat er viel erreicht: Die Erneuerung des Turmdaches, die Restaurierung des Glockenturmes, die Rettung der Feldsteinmauern und des Ostgiebels. Viele Balken, Wände und die Elektrik wurden erneuert. Die Kränzliner scheuen sich nicht, bei Aufräum- und Bauaktionen selbst mit anzupacken.

Die Arbeiten im Turm sind aber noch nicht abgeschlossen, berichtet Schatzmeisterin Bärbel Thiede. Gerade die Restaurierung der Holzteile mit den vielen Verzierungen sei aufwändig. "Aber wir geben nicht auf und wollen auch weiterhin Kultur nach Kränzlin bringen", sagt Bärbel Thiede.

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr ist auch für das Frühjahr 2010 ein Flohmarkt in und an der Kirchenruine geplant. Und genau wie zur Weltmeisterschaft vor vier Jahren sollen die Fußballspiele der deutschen Nationalelf in Südafrika auch im kommenden Sommer in der Kränzliner Kirche gezeigt werden, wenn die Evangelische Kirche die Rechte erwirbt und wieder die Gebühren übernimmt. "Das war damals eine tolle Idee. Aber allein kann der Verein das nicht finanzieren", sagt die Schatzmeisterin.

Bei den Übertragungen zur Fußball-WM 2006 kamen zeitweise mehr als 100 Menschen in das Kirchenschiff, um die Spiele auf einer Großbildleinwand zu erleben. "Die Männer waren von der Aktion besonders begeistert", erinnert sich Bärbel Thiede. Sie hatten Gefallen daran gefunden, die Spiele bei Bier und Grillwurst in geselliger Runde unter freiem Himmel zu schauen.

Aber erstmal werden sich die Vereinsmitglieder auf das Weihnachtsfest besinnen. Am Heiligen Abend wollen sie sich wie in den Vorjahren um 22 Uhr an der Kirchenruine treffen, um gemeinsam Glühwein zu trinken und Weihnachtslieder zu singen. Bei dieser heimeligen Aktion sind alle Kränzliner willkommen.

Wer den Förderverein zum Erhalt der Kränzliner Kirche unterstützen will, kann sich an Bärbel Thiede wenden: 03391/50 47 00. (Von Katharina Kastner)

Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2009

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