INITIATIVE: Frohe Botschaft

Lichterfelder gründen einen Förderverein mit dem Ziel, ihre Kirche zu sanieren

LICHTERFELDE - Für die Gründungsrunde ihres Kirchen-Fördervereines hatten sich die Lichterfelder einen passenden Ort ausgesucht: den Oberlaubenstall. Diese heutige Begegnungsstätte haben sie bereits dem Verfall entrissen. Nun wollen die Bürger und ihr Pfarrer die Dorfkirche retten. Zum Vorstand des Fördervereins gehören Andreas Lust, Ingrid Henkel, Lothar Dümichen, Frederik van der Kooi und Helmut Koppehele. Beim ersten Treffen stellten gleich 15 Einwohner ihre Mitgliedsanträge.

Das Thema ist ihnen gut bekannt. Pfarrer Joachim Boekels hatte den Ort bereits im Juni vor die Alternativen gestellt: Schließung der Kirche wegen erheblicher baulicher Mängel, Notsicherung für vielleicht zwei Jahre und dann die Schließung oder aber Kirchgemeinde und Dorfgemeinschaft ringen sich zum Erhalt des ältesten Gebäudes des Ortes durch. Diese Ansprache war der Anstoß für die Idee, einen Förderverein zu gründen, selbst anzupacken und Geld für die Rettung zu sammeln.

Zu einer ersten Begutachtung des Bauzustandes kam es am 23. September. Gemeinsam mit Vertretern der kirchlichen Baubehörde, des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der Gemeindeverwaltung besichtigten die Lichterfelder ihre Kirche von innen und außen und protokollierten bauliche und damit auch sicherheitsrelevante Mängel. Gestützt wurde dies durch ein 2004 erstelltes Baugutachten des Gotteshauses, das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde und damit zu den ältesten Kirchen der Region zählt.

Es ist nicht übertrieben, wenn Pfarrer Boekels von "akuter Einsturzgefahr" spricht. "Es ziehen sich tiefe Risse durch das Mauerwerk", berichtet er. Kirchenratsmitglied Helmut Koppehele berichtet von "fallenden Steinen". Den Ostgiebel habe er schon mit Flatterband abgesperrt. Auch im Innenraum sind die Risse bereits sichtbar, das Gebälk ist angegriffen. Dazu kommen Bodenfeuchtigkeit und ein undichtes Dach. Auch die Notverkleidung des Turmes hat bereits gelitten und hält die Nässe kaum noch ab.

Das vorliegende Gutachten beziffert den finanziellen Aufwand mit ungefähr 200 000 Euro. Inzwischen sind weitere fünf Jahre vergangen, in denen der Verfall nicht aufgehört hat. Demgegenüber steht aber ein Baubudget des Kirchenkreises Zossen-Fläming von 300 000 Euro für 120 Kirchen pro Kirche also nicht mehr als 2500 Euro.

Früh haben die Lichterfelder erkannt, dass erste kleine Sanierungsschritte in Eigenarbeit zu bewerkstelligen sind. Eine effiziente Bündelung aller Aktivitäten soll nun durch den Förderverein gelingen, der die Kirche über die Gottesdienste hinaus nutzen soll. Die Nutzung der Kirche als Trauerhalle, zu Eheschließungen, Konzerten und Ausstellungen ist angedacht. Als gemeinnützige Organisation kann er Spenden sammeln und Bescheinigungen ausstellen, Eigenkapital als Grundlage für kalkulierbare Förderhilfen aufbauen, die Dorfgemeinschaft mobilisieren oder Öffentlichkeitsarbeit für die Kirchenrettung betreiben.

Der Musiker Frederik van der Kooi spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Tenor, der seit 2007 in Lichterfelde wohnt und heute mit dem Lichtenrader Männerchor auftritt, hat bereits mehrfach Benefizkonzerte organisiert, um sich ins Gemeinschaftsleben einzubringen. Er habe schon so einige Gedanken für kulturelle Ereignisse im Zusammenhang mit der vereinsmäßigen Nutzung der Kirche, sagt er. Doch darüber will er noch nicht zu viel verraten.

Für einen ersten Höhepunkt sorgt Pfarrer Boekels. Zu Weihnachten will er nach langer Zeit wieder eine Christvesper in der Lichterfelder Kirche abhalten. Es soll ein Zeichen des Aufbruchs sein.

Ansprechpartner beim Förderverein: Andreas Lust, Dorfstraße 4, 14913 Lichterfelde, 01 72/4 44 61 43, E-Mail: andreas.lust@t-online.de (Von Michael Helm)

Märkische Allgemeine vom 05. Dezember 2009

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