Faszinierender Hochaltar

Faszinierender Hochaltar 

Bernau Die meisten Kirchen im Barnim stehen unter Denkmalschutz. Gotteshäuser gehören unbestritten zu den wenigen Zeitzeugen, die uns Romanik und Gotik hinterlassen haben. Unser Autor Lars Franke sah sich in der Bernauer Marienkirche um. Ihn hat vor allem der Altar aus dem frühen 16. Jahrhundert beeindruckt.

Zu beweisen ist es nicht, aber gut möglich. Bevor Bernau das Stadtrecht bekam, hat es hier eine kleine Kirche oder eine Kapelle gegeben. Die könnte aus der Zeit von vor 1232 stammen, also vor der Regentschaft der Markgrafen-Brüder Johann I. und Otto III., die die Siedlung in den Rang eines Städtchens erhoben.

Historiker begründen das mit dem Straßennetz rund um die Marienkirche, das sich von dem im übrigen Stadtkern deutlich unterscheidet.

Dagegen ist historisch und archäologisch verbürgt, dass gegen 1250 eine romanische Basilika entstand. Davon haben einige wenige Reste bis in die Gegenwart überdauert. Es sind Teile eines rechteckigen Querturms, wie er damals an vielen märkischen Kirchen zu finden war.

Als mit dem Erstarken der Tuchmacher-Zunft und des Bierbrauer-Handwerkes die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung und damit an Wohlstand gewann, musste das Gebäude erweitert werden. Um 1480 begannen erneut Bauarbeiten. 3000 Besucher konnte dann die 55 Meter lange und 30 Meter breite Kirche aufnehmen.

Über Jahrhunderte hinweg wurde immer wieder modernisiert. Der gotische Baustil löste die Romanik ab. Aus der späten Gotik stammt auch der Hochaltar, eine faszinierende Arbeit, die in Norddeutschland ihresgleichen sucht. Kunsthistoriker vermuten in ihrem Schöpfer einen Schüler von Lucas Cranach dem Älteren. 39 Figuren und fast 70 Bilder erzählen die Mythen und Geschichte des Christentums. Im Mittelpunkt steht die Krönung Marias, der Gottesmutter.

"Erzählt" wird auch die Legende des heiligen Nikolaus, wohl einem einstigen Schutzpatron von Bernau. Die dominant platzierte Jakob-Figur könnte ein Hinweis sein, dass die mittelalterliche Stadt ein wichtiger Etappenort auf dem Pilgerweg in Richtung Santiago de Compostela war. Geweiht wurde der Altar 1519, also in der Reformationszeit. Das rettete möglicherweise das Kunstwerk vor der Bilderstürmerei. Die braven Bürger von Bernau hatten viel zu viel Geld für den Altar aufgebracht, um ihn gleich wieder der Zerstörung preiszugeben.

1838/39 musste der baufällige Turm abgetragen werden. Der Neubau aus Backsteinen entstand zwischen 1843 und 1846. Die letzte große Restaurierung begann 1975, die Erneuerung der Innenausmalung dauerte bis 1990. In letzten Zeit sind Wanderer mit Rucksäcken in der Kirche gesichtet worden. Es waren Pilger, vor allem aus Polen, auf dem Jacobsweg. Sie nahmen sich Zeit für ein Gebet in der Marienkirche.

Märkische Oderzeitung vom 25. November 2009

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