Denkmale Glambeck

Von Viola Petersson

 
Der kleinste Konzertsaal im Barnim: Die Fachwerkkirche Glambeck. Der Spielplan umfasst jährlich 17 Konzerte. Hinzu kommen Ausstellungen.
Foto: Birgit Großmann

Friedrichswalde (MOZ) 16-mal Deutschland, jeder Ministerpräsident hat einen Tipp für Touristen frei. Und Matthias Platzeck empfiehlt ausgerechnet das Kirchlein "Am Welsetal" in Glambeck. Werbung, die Heimtraud Eichhorn und ihre Mitstreiter im Verein Denkmale Glambeck mit Stolz erfüllt.

Die Kirche hatte ihr Gotteshaus schon aufgegeben. Das Fachwerkhaus war seit 20 Jahren baupolizeilich gesperrt. Die Bagger standen zum Abriss bereit. Da fanden sich in dem kleinen Dorf Glambeck Menschen zusammen, die Kirche zu retten. In letzter Minute sozusagen.

Dies war gleichsam die Geburtsstunde des Vereins Denkmale Glambeck. Die Sanierung des Gotteshauses wurde zur ersten Aufgabe - und zu einer großen Herausforderung. "Wobei wir von Anfang auch den Taubenturm im Blick hatten. Später kamen noch der Eiskeller und der ehemalige Gutspark hinzu", wie Heimtraud Eichhorn, Gründungsmitglied und derzeit amtierende Vorsitzende, sagt. "Und zwar nicht nur die Rettung oder Restaurierung dieser Denkmale, sondern ihre nachhaltige Nutzung." Denn die sei der beste Garant für einen dauerhaften Erhalt.

"So haben wir beispielsweise schon während der Sanierung der Kirche die Konzertreihe sowie Ausstellungen konzipiert", erinnert sich die 75-Jährige. Manfred Tekla aus Friedrichswalde, 2007 verstorben, war der erste Maler und Grafiker, dessen Bilder das Kirchlein sah. Er hatte auch das Logo für den Verein entworfen. Im Februar 2000 erklang das erste Konzert in Glambeck. Seither gibt es einen festen Spielplan, der jährlich 17 Klassik-Konzerte umfasst.

"Diese Reihe ist ohne Zweifel heute unser Flaggschiff", sagt Heimtraud Eichhorn. Denn dank des Engagements der Vereinsmitglieder und vieler Förderer sei es gelungen, aus der einstigen Arme-Leute-Kirche eine feine Adresse in Sachen Kultur zu machen. Dieser Einsatz wurde unter anderem auch mit der Auszeichnung "Ausgewählter Ort" im Rahmen des Wettbewerbes "Land der Ideen" gewürdigt. Matthias Platzeck drückte es so aus: "Mit Blick auf die Besucher- und Künstlerresonanz hat sich diese Initiative zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt." Und dies, so Eichhorn, trotz großer Konkurrenz. Beispielsweise durch den Choriner Musiksommer oder das Bebersee-Festival.

Zudem ist das kleine Gotteshaus seit 2005 Fahrradkirche. Und so hat sich der Wunsch von Bischof Wolfgang Huber bei der Wiederweihe im Januar 2000 bereits erfüllt. "Er hat uns damals drei Schlüssel übergeben: einen für die sakrale Nutzung, einen zweiten für die kulturelle und einen dritten für die touristische Nutzung."

Auch wenn die denkmalgerechte Grundsanierung der Kirche im Wesentlichen 1999 erfolgt war, habe man doch auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder "Hand angelegt". Da waren die Regenrinne zu reparieren, der Vorbau instand zu setzen, die Südfenster auszutauschen ... "Und als nächstes muss das Fachwerk mit Leinölfirnis behandelt werden."

Zu den Schwerpunkten der künftigen Arbeit gehören laut jüngstem Vorstandsbeschluss neben der Organisation der Konzerte und Ausstellungen u. a. auch die Verteidigung des "Q" für den Service sowie das Bewahren der Traditionen, jener Traditionen, die vor allem mit den Namen Franz Neumann und Graf von Redern verbunden sind.

DREI FRAGEN AN Heimtraud Eichhorn, Amtierende Vorsitzende

 

In diesem Jahr stehen noch zwei Konzerte auf dem Spielplan. Was erwartet den Besucher?

Die Konzertreihe 2009 mit seinem Clavierfestival klingt nach 15 fulminanten Konzerten in der Adventszeit am 5. und am 19. Dezember besinnlich aus. Am 5. Dezember erklingen u. a. Arien aus dem Oratorium "Der Messias" von Händel, zum vierten Advent gibt es stimmungsvolle Miniaturen "Hommage à Haydn". Im Januar jährt sich die Wiederweihe der Kirche zum zehnten Mal.

Was planen Sie anlässlich des Geburtstages?

Der 10. Januar wird ein Festtag für uns alle. Bischof Markus Dröge, Manfred Stolpe und Pfarrer Ralf Schwieger laden Freunde und Mitstreiter, Retter der kleinen Kirche und Förderer zu einem Festgottesdienst ein.

Steht das Programm für 2010 schon?

Das Jahresprogramm "Festgottesdienst, Konzerte, Andachten & Ausstellungen" liegt gedruckt vor. Nachzulesen ist es auch im Internet. Es wird wieder 17 hochkarätige Konzerte geben, vom 1. Januar bis 18. Dezember. Darunter am 18. Januar ein Benefizkonzert.

Märkische Oderzeitung vom 24. November 2009

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