BAUEN: Sonderschicht am Turm

Die Kirche in Rohrbeck ist eingerüstet / Das Gebälk war morsch

ROHRBECK - Dass die Rohrbecker Kirche eingerüstet in den Winter geht, war eigentlich nicht vorgesehen. Das architekturgeschichtlich recht zusammengewürfelte Gebäude, das auf einem Hügel über dem Dallgower Ortsteil thront, wird zwar seit dem Frühjahr saniert. Der erste Bauabschnitt war für dieses Jahr eingeplant, und der sah auch vor allem vor, dass das Fachwerk im Turm ausgebessert werden sollte. Aber mit dem, was die Arbeiter unter dem Gemäuer fanden, hatte niemand gerechnet.

Die Schäden am Fachwerk waren zuerst so eingeschätzt worden, dass geübte Handwerker diese Arbeit auch ohne Gerüst hätten zustande bringen können. "Das Fachwerk war dann aber viel stärker angegriffen, als wir dachten", sagt Elisabeth Fleisch vom Gemeindekirchenrat. Viele der großen Balken waren schon so vermodert, dass man um die Standsicherheit des Turms fürchten musste und das, obwohl Bauexperten den Turm erst 2001 begutachtet hatten. Die Kirchengemeinde und die Bauarbeiter mussten deshalb umplanen.

Ursprünglich wollten die Zimmerleute die Holzbalken von innen tauschen, um die außen vorgesetzte Mauer und den Putz des Turms nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Weil aber auch Balken angegriffen waren, die an den Turmecken liegen, ließ sich diese Strategie nicht durchhalten. Also wurde die Kirche eingerüstet, die Balken von außen getauscht, und da das Gerüst einmal stand, hat ein Klempner gleich Bleche auf die Simse genagelt. Jetzt wird der Turm zudem in zwei Hellgrau-Tönen gestrichen.

Bisher kam der Turm ohne Farbe aus. "Der Architekt hat einen Anstrich aber als zusätzlichen Wetterschutz empfohlen", sagt Elisabeth Fleisch. Damit werde auch eine ästhetische Veränderung einhergehen. Die Farbwahl sei aber so behutsam getroffen worden, dass die Form des Bauwerks künftig besser zur Geltung kommt, der äußere Eindruck sich aber nicht stark vom bisherigen unterscheidet.

Für den Sanierungsplan heißt das, dass die Arbeiten am feuchten Kirchenschiff ins nächste Jahr geschoben werden und wie viel dann gemacht wird, sei aus finanziellen Gründen noch nicht abzusehen. In diesem Jahr konnte die Kirchengemeinde 100 000 Euro ausgeben. Für das nächste Jahr sind 30 000 Euro vom Kirchenkreis und aus der eigenen Kasse schon gesichert. Die Gemeinde hofft auch, wieder 70 000 Euro vom Land und der Landeskirche zu bekommen. "Weil sich jetzt aber viele einsturzgefährdete Kirchen um Geld beworben haben, kann es sein, dass bei uns am Ende weniger hängen bleiben", so Elisabeth Fleisch. (Von Oliver Fischer)

Märkische Allgemeine vom 18. November 2009

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