DENKMALSCHUTZ: Japanpapier schützt Kirchenmalerei

Neuhausens Gotteshaus ist gerettet, doch überraschende Entdeckungen geben neue Aufgaben

NEUHAUSEN - Gordon Thalmann malt mit großer Geste. "Das alles könnte ein riesiges Bild gewesen sein." Der junge Mann von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz steht an der Westwand der Neuhausener Kirche (Amt Putlitz-Berge) unter der Orgelempore. Viel ist dort nicht mehr übrig von der mittelalterlichen Malerei, die aus der Entstehungszeit der Backsteinkirche stammen könnte. Die wird auf die Zeit um das Jahr 1430 geschätzt.

Jochen Hochsieder hat auf freigelegte Farbreste Japanpapier geklebt. Dieses durchscheinende Spezialpapier aus Pflanzenfasern schützt. Es handele sich schließlich um kostbare Pigmente von Malachit und Azurit, sagt er. Auch an den hölzernen Reliefs des Kanzelkorbs aus dem 16. Jahrhundert hat Restaurator Hochsieders Spurensuche Spuren hinterlassen: Weiße Papierdreiecke markieren die Stellen, wo er Proben nahm. Ebenso an dem Epitaph an der Wand daneben, auf dem sich um 1500 die Familie derer von Rohr in einem steinernen Renaissance-Relief verewigen ließ. "Das wurde für die damalige Zeit ausgezeichnet gearbeitet", bestaunt es Gordon Thalmann.

Dies alles Detail für Detail aufzuarbeiten, sei jedoch bei weitem schwieriger als die bisherigen Handgriffe an der Substanz des Gebäudes, für die vorigen Freitag Bauabnahme war. Vor Pfarrer Klaus-Dieter Harnack und Richard-Albrecht Küsell, der mit seinem Architekturbüro die Arbeiten begleitete, attestiert Andreas Draeger als Baufachmann des Kirchenkreises Perleberg-Wittenberge: "Sehr gut gelungen." Gelungen vor allem auch, weil Geld übrig blieb, wie Küsell erklärte: Nachdem das Dach erneuert war, Risse verfugt und wichtige Holzbalken im Glockenturm nebenan ausgetauscht wurden, ließ sich auch das gesamte Gestühl neu lackieren mit dunkelgrüner Lasur. Die Illusionsmalerei unter dem Dach imitiert nun eine Kassettendecke, das obere Friesband ist ebenso retuschiert.

Damit ist das Kleinod gerettet, die wissenschaftliche Aufarbeitung aber längst nicht beendet. Erkenntnisse gibt es zuhauf. So war etwa die Patronatsempore einst zweigeteilt. Datiert um 1510, sei sie eine der ältesten Norddeutschlands. Der Kirchraum ist dessen nun wieder würdig. Mehr Sonnenlicht denn je flutet durch die teilweise aufgearbeitete Bleiverglasung. Draußen ist es an Bäumen und Gestrüpp lichter geworden.

Zu Heiligabend gibt es in der Kirche eine erste Veranstaltung. Den Dankes-Gottesdienst kündigt Pfarrer Harnack für den späten Frühling an. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 17. November 2009

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