JUBILÄUM: Mit einer Verdienstmedaille in den Unruhestand

Heinz-Walter Knackmuß zum 65. Geburtstag mit der "Medal of Merit" geehrt

RATHENOW - Der gestrige Tag wäre für Heinz-Walter Knackmuß ein guter Anlass gewesen, sein Leben künftig etwas ruhiger angehen zu lassen. Er ist 65 Jahre geworden und wird ab 1. Dezember ganz offiziell Rentner sein. Doch er, der bis 2006 Amtsarzt des Kreises Havelland war, hat mit dem Ruhestand nicht viel am Hut. Schließlich hat er 1996 den Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche gegründet und ist von Beginn an bis heute als dessen Vorsitzender tätig. Heinz-Walter Knackmuß geht also ganz bestimmt in einen Unruhestand.

"Wir haben noch so viel aufzubauen", hat er gestern gesagt und damit natürlich seinen Förderkreis und die Kirche gemeint. Das Ehrenamt als Vorsitzender sei für ihn "wie eine zweite Arbeit" geworden, hat er mitgeteilt. Schließlich hat er ja auch noch vor wenigen Jahren erst den Internetauftritt des Förderkreises aufgebaut (www.rathenow.org) und füttert diesen Webauftritt täglich höchstpersönlich mit neuen Informationen und Fotografien.

So ein wichtiger Geburtstag so einer bekannten Persönlichkeit ist erst dann richtig komplett, wenn etwas Besonderes passiert. Gestern hat Wolfgang Schröder, Apotheker in Wetter an der Ruhr, für das i-Tüpfelchen gesorgt. Dieser ist seit Januar im Unruhestand und schon seit vielen Jahren ehrenamtlich als Chef des Lions Clubs seiner Heimatregion tätig. Wolfgang Schröder hat bei seinem weltweit engagierten Verband für Heinz-Walter Knackmuß die Verdienstmedaille "Medal of Merit" beantragt, genehmigt bekommen und gestern in Rathenow überreicht. Es sei furchtbar selten, dass diese Medaille verliehen werde, erklärte er. Das sei die höchste Ehrung, die Lions Clubs International an Nicht-Mitglieder zu vergeben habe.

Wie kommt ein Mann aus Wetter an der Ruhr nach Rathenow? Wolfgang Schröder wurde 1940 hier geboren, in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche getauft und hat bis zu seinem 13. Lebensjahr in der Derfflingerstraße 6 (heute Engelsstraße) gewohnt. 1953 gingen seine Eltern in den Westen, doch bis heute spricht Wolfgang Schröder von Rathenow als "seiner Heimatstadt". Mehrfach haben er und seine Frau für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche gespendet.

"Heinz-Walter Knackmuß hat uneigennützig zum Gemeinwohl beigetragen", hob Wolfgang Schröder hervor, "indem er die Rathenower dazu bewegt hat, für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche zu spenden." Dies sei auch eine der vielen Aufgaben von Lions Clubs International. Das sei eine weltumspannende Serviceorganisation, die bereit sei, mit Rat und Tat an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitzuwirken.

Die erste große Aufgabe des Förderkreises war das Aufbringen des Eigenanteils der Kirchengemeinde für den Wiederaufbau des Turmes, der 1999 begann und Ende 2001 offiziell abgeschlossen war. Bis dahin hatte der Förderkreis 561 532 D-Mark (287 106 Euro) an Spendengeldern eingesammelt.

In diesen Tagen ist der Förderkreis auf bestem Wege, die Finanzierung des Eigenanteils für den derzeit laufenden Sanierungsabschnitt der Kirche abzuschließen. Die Dachsanierung des Hauptschiffes soll Ende November fertig sein und der Neu-Einbau der vier Gewölbe des Hauptschiffes dürfte noch im Dezember beendet werden. 826 000 Euro kostet dieses Projekt insgesamt und zu 250 000 Euro hat sich der Förderkreis bekannt. Bislang sind dafür 242 000 Euro zusammen.

Wie die Erfahrung zeigt, sollte der fehlende Rest für den Förderkreis kein großes Problem sein. So hat zum Beispiel sein Vorsitzender Heinz-Walter Knackmuß darum gebeten, ihm anlässlich seines Geburtstages keine Blumen oder ähnliches zu schenken. Alle, die ihm etwas Gutes tun wollen, bat er zu spenden. Wofür, das muss am Ende dieses Textes ja sicher nicht extra hingeschrieben werden. (Von Bernd Geske)

Märkische Allgemeine vom 06. Nevember 2009

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