Petrus und Johannes werden restauriert

Von Brigitte Horn

Petrus und Johannes werden restauriert 

Rüdnitz (MOZ) Gestern wurde mit der Restaurierung des Altars der Rüdnitzer Kirche begonnen. Damit dürfte das jahrelange Bangen um den Erhalt des historischen Ensembles zu Ende sein. Schädlingsbefall drohte der Holzkonstruktion den Garaus zu machen. Jetzt soll er für rund 20 000 Euro restauriert werden.

Der äußere Rahmen des Geschehens wirkte zunächst einmal sehr prosaisch. Der Restaurator hatte eine Metallleiter aufgestellt, um die Flügel des Altars abnehmen zu können. Moderne Noppenfolie stand bereit, um die wertvolle Fracht schadlos in die Werkstatt verfrachten zu können. Den Kontrast dazu bildeten die Figuren der Altarflügels, die aus der Zeit um 1430 stammen.

Die Konstruktion des Altars ist etwa 100 Jahre jünger und damit ebenfalls schon sehr alt. Aus dieser Zeit stammen auch die Mittelfiguren des Altars. Hinter dem rechten Altarflügel ziert die Rückwand ein Bild vom Apostel Johannes. Hinter dem linken Flügel soll es ebenfalls eine solche Figur gegeben haben, die ist aber blau übermalt. Einen blauen Hintergrund haben auch die Skulpturen innerhalb der Altarflügel. Ursprünglich war es ein goldener Hintergrund. "Das kann man schon jetzt sagen, ohne die Farbschichten komplett analysiert zu haben", erläutert der Restaurator Dirk Jacob. Die Figuren selbst sind farbig und stellen unter anderem Johannes den Täufer, Petrus und Johannes den Evangelisten dar.

Jacob ordnet die Gestaltung des Altars auch in die jeweiligen Epochen ein. Während die Holzskulpturen der Flügel dem späten Mittelalter zuzuordnen sind, ist ein Teil des Altars in der Spätrenaissance aufgebaut worden. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts sei der Gesamtaufbau entstanden, urteilte der Fachmann Dirk Jacob. Das Interessante dabei ist, dass zu Zeiten der Reformation Altarschmuck nicht vernichtet worden ist, sondern bei der Gestaltung neuer Altäre wieder verwendet wurde. Das sagte der Restaurator auch im Hinblick auf den 30-jährigen Krieg, in dessen Folge ganze Dörfer vernichtet wurden und die Kirchen leer standen.

Die Konstruktion des Altars besteht aus Kiefernholz, die Figuren aus Linde, dem in der Region am häufigsten verwendeten Schnitzholz. Dem Schädlingsbefall will man mit Begasung oder speziellen Injektionen beikommen.

Der Rüdnitzer Altar ist nicht der erste, der von Jacob saniert wird. Erfahrungen gesammelt hat der Fachmann aus Berlin unter anderem in Menkin (Uckermark) sowie in Schmiedeberg. Er ist auf Skulpturen und Tafelbilder spezialisiert. Die Alterflügel mit den nahezu 600 Jahre alten Figuren wurden gestern in die Werkstatt gebracht, wo ihr Zustand genau untersucht wird. Daraus werden dann Schlüsse für ihre Restaurierung und das Herangehen an den ganzen Altar gezogen.

Für Werner Ziems, Restaurator im Brandenburgischen Amt für Denkmalpflege, ist der Altar bedeutend, weil er sehr alt ist. Davon gebe es nicht mehr viele im Land. Das Land begleite die Restaurierung mit fachlichem Rat, allerdings ohne Geld. Das müsse die Kirchengemeinde allein aufbringen. "Darum kümmern wir uns", sagte Pastor Christoph Brust., Mit Geld der Kirchengemeinde und Hilfe von Spenden solle die Restaurierung bezahlt werden. "Und auch die Kommune beteiligt sich daran, wofür wir sehr dankbar sind", sagte Brust, der zugleich auch als Vorsitzender des fünfköpfigen Rüdnitzer Gemeindekirchenrates fungiert.

Der Gottesdienst wird während der Restaurierung wie gewöhnlich stattfinden, kündigte Pastor Brust an. Der Altar wird auch nicht verhängt werden. Wenn er wieder vollständig ist, gehören zum Altar die Skulpturen in den Flügeln, der Mittelschrein mit einem Relief mit der Darstellung des Pfingstgeschehens, das heißt der Erleuchtung der Evangelisten durch den heiligen Geist, sowie in der Predella, dem Bereich unterhalb des Altarbilds, eine Reproduktion des Abendmahl nach Leonardo da Vinci. Darüber hinaus zeigt der Altar im oberen Teil die Auferstehung Christi. Welche Farbe künftig dominieren werden, wird beraten, wenn die Untersuchungsergebnisse des Restaurators vorliegen.

Märkische Oderzeitung vom 28. Oktober 2009

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