DENKMALSCHUTZ: Neuhausener Illusionen

Die rettende Restauration der Kirche steht vor dem Abschluss

NEUHAUSEN - Die Baugerüste sind gefallen, die Illusion ist perfekt. Wer in Neuhausens Kirche (Gemeinde Berge) jetzt seinen Kopf in den Nacken legt, sieht eine Kassettendecke, als sei sie erst gestern Holzbalken für Holzbalken gesetzt und verziert worden. Darüber vergisst der Betrachter, genauer hinzusehen. Dann fiele auf, dass die Decke, wie sie um 1500 zur Renaissancezeit in Mode kam, gar keine Räumlichkeit besitzt. Sie ist auf den ebenen Putz gemalt. Im Zuge der Restaurierungen an der Kirche in den vergangenen zwei Monaten wurde die Decke retuschiert.

"Unser Geld ist alle, wir haben mehr geschafft als gedacht", sagt der gegenüber wohnende Schlossherr Richard-Albrecht Küsell. Er ist Mitglied des Förderkreises um Pfarrer Klaus-Dieter Harnack. Dessen Kirchengemeinde, der Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge und die Landeskirche hatten einen Teil der Bausumme von mehr als 100 000 Euro aufgebracht. Doch nur dank 64 000 Euro vom Landesamt für Flurneuordnung konnte tatsächlich begonnen werden, die von Rissen durchsetzte Kirche zu retten. Nun sind die Risse in dem einzigartigen weil um 1430 vollkommen in Backstein ausgeführten gotischen Mauerwerk geschlossen. Das Dach ist neu eingedeckt. Am einzeln nebenan stehenden Glockenturm sind wichtige Balken erneuert.

Darum und nicht um vollständige Restauration ging es zunächst auch nur. Dass die Restauratoren Jochen Hochsieder und Oliver Helle die Decke retuschierten, dass der unterhalb der Decke verlaufende, ebenfalls gemalte Fries aufgearbeitet wurde und nicht nur die Seitenwände neu gemalert werden konnten, bezeichnet Küsell als Glücksfälle. Denn wie Kanzel und Epitaph wären sie sonst zukünftige Aufgaben geblieben, ebenso wie der Turm, in dem ein Radtouristen-Infopunkt untergebracht werden soll. Eine Karte könnte da hängen. Infotafeln sollen auf die Umgebung verweisen, nicht nur auf Schloss, Burgruine und Park, auch den Elefantenhof Platschow, die Angelteiche und den Skulpturenpark Pampin. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 28. Oktober 2009

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