RELIGION: Eine Tankstelle für die Seele

Kirchenkreis Falkensee wird das Zeestower Gotteshaus retten und zur Autobahnkirche ausbauen

 
Desolat, doch nicht hoffnungslos: der Zustand der Zeestower Kirche. Die Glocke ist noch aus dem Revolutionsjahr 1848.
Foto: Konrad Radon

ZEESTOW/FALKENSEE - Das Konzept steht: Die Zeestower Kirche, die seit 50 Jahren verwaist ist, weil ihr die Gläubigen abhanden kamen, soll saniert und zur 33. Autobahnkirche Deutschlands ausgestaltet werden. Denn der Ende des 18. Jahrhunderts aus Ziegelmauerwerk errichtete Bau liegt nur 500 Meter Luftlinie entfernt vom Autobahnring. Damit erfüllt die Kirche eine Grundvoraussetzung, um zur Autobahnkirche ernannt zu werden: Sie muss mindestens in Ein-Kilometer-Reichweite zur Trasse liegen. Zweite Bedingung: Sie muss mindestens 80 Kilometer von der nächsten Autobahnkirche entfernt sein. Stimmt auch: Die beiden Autobahnkirchen Brandenburgs liegen in Werbellin (Barnim) und Duben (Dahme-Spreewald).

Dritte Bedingung: Das Gotteshaus muss völlig intakt sein. Nach einer Bestandsaufnahme durch die Potsdamer Architektin Sibylle Stich wird der Sanierungsbedarf des Zeestower Gotteshauses auf mindestens eine halbe Million Euro geschätzt. Um weiteren Schäden vorzubeugen, wurden die Dächer in diesem Jahr geschlossen. Die Kirche ist schlicht, verfügt über keinerlei kostbares Interieur und steht auch nicht unter Denkmalschutz. "So haben Architekt, Handwerker und Künstler weitgehend freie Hand", konstatiert die promovierte Theologin Rajah Scheepers aus Berlin. Sie war vom Kirchenkreis Falkensee gebeten worden, das Nutzungskonzept zu entwickeln, das nun am 7. November der Herbstsynode zur Begutachtung und zum Beschluss unterbreitet wird. Doch bereits zur Frühjahrssynode hatte man mit Wohlwollen die Idee begrüßt.

Die Finanzierung soll über die Landeskirche, mit Zuschüssen vom Bund, eventuell auch mit Lottomitteln und natürlich durch die obligate Selbstbeteiligung des Kirchenkreises gesichert werden. Für die Ausgestaltung des Gotteshauses, das Reisende zur Einkehr einlädt, will man einen Künstler gewinnen. "Nicht die Hobbymalerin aus dem Nachbardorf, sondern einen wirklich bedeutsamen Gegenwartskünstler", betont die Projektentwicklerin. So könnten auch die Kunstwerke oder besonders schön gestaltete Kirchenfenster Reisende zu einem Abstecher in die Zeestower Kirche anregen. Rajah Scheepers zeigt sich zuversichtlich, "denn es gibt doch für einen Künstler nichts Größeres als religiöse Kunst. Ihr droht kein Abriss, sie wird immer gepflegt, selbst wenn ihr Schöpfer schon hundert Jahre nicht mehr ist. Religiöse Kunst bleibt bis zum Jüngsten Tag bewahrt."

Wenn die Synode den Grundsatzbeschluss gefasst hat, kann der Bauantrag gestellt und so die Hoffnung von Rajah Scheepers im Jahr 2010 mit der Komplettsanierung begonnen werden. (Von Hiltrud Müller)

Märkische Allgemeine vom 28. Oktober 2009

   Zur Artikelübersicht