BAUEN: Rettung vor dem Einsturz

Brielower Kirchenschiff bekommt neues Dach / Hausschwamm im Gebälk

BRIELOW - Hat Brielow eine Stüler-Kirche? Noch fehlt der Beweis, dass der berühmte preußische Baumeister Friedrich August Stüler (Neues Museum) Mitte des 19. Jahrhunderts seine Hand im Spiel hatte, als in Brielow ein neues Kirchenschiff aus rotem Backstein an dem bestehenden Turm angebaut wurde. Für die Brandenburger Architektin Heidrun Fleege gibt es immerhin ein wichtiges Indiz die rot eingefärbten Fugen. Sie sind Stülers Markenzeichen. Vielleicht hat sie auch nur einer seiner Schüler übernommen. "Recherchen in den Archiven laufen noch", erklärt Fördervereinsvorsitzende Elisabeth Elsner.

Die Auffrischung der "Stüler-Fugen" im Mauerwerk der Brielower Kirche mit rot eingefärbtem Mörtel ist nur ein kleiner Teil der gerade angelaufenen Sanierung des Kirchenschiffes. Die kommt gerade noch rechtzeitig. Hausschwamm hat den Dachstuhl stark geschädigt und einige Holzteile regelrecht pulverisiert. "Über kurz oder lang wäre es zum Einsturz gekommen. Zum Glück ist der Hausschwamm derzeit nicht aktiv", berichtet Jürgen Wagner. Der Holzschutzgutachter begleitet die Rekonstruktion, die federführend von der Firma Holzbau Timpe aus Belzig ausgeführt wird.

Stück für Stück nehmen die Handwerker das Dach auf. Sie wechseln marode Balkenteile aus und decken die Kirche mit neuen Schieferschindeln ein. Dann geht es an die Backsteinfassade. Die Dachentwässerung wird ersetzt. Bis zum Frühjahr soll die Hüllensanierung abgeschlossen sein. Bis dahin kann die Kirche nicht genutzt werden. Der Weihnachtsgottesdienst in Brielow fällt aus, denn auch im Innern ist das Gotteshaus eingerüstet. Das Gestühl ist ausgebaut, bei der Einlagerung leistete die Brielower Firma Uhrbach Unterstützung. "Rund 150 000 Euro werden verbaut", kündigte Fördervereinsvorsitzende Elsner an. Das Geld stammt zu 75 Prozent aus einem Sonderprogramm des Bundes, 35 000 Euro wurden über das Landesamt für Denkmalpflege ausgereicht. Die Untere Denkmalbehörde des Kreises beteiligt sich mit 10 000 Euro. Die Kirchengemeinde als Bauherr und der Förderverein steuern insgesamt 30 000 Euro zu.

Fachlich betreut wird die Kirchensanierung vom Architekturbüro Fleege & Oeser. Demnach beschäftigt sich der nächste Bauabschnitt mit der Restaurierung des Kircheninneren. Wann das passiert, ist noch unklar. "Es werden weitere Förderanträge gestellt", so Elisabeth Elsner. Der Turm wurde im letzten Jahr saniert. Die Gemeinde Beetzsee ist an der Rettung der Brielower Kirche nicht beteiligt. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 23. Oktober 2009

   Zur Artikelübersicht