417 000 Euro für Dreifach-Perspektive

Von Anett Zimmermann

Prötzel (MOZ) Mit einer Feierstunde und Andacht ist am Freitag der Baubeginn für die Sanierung der Schlosskirche Prötzel begangen worden. Die Maßnahme wird mit EU-Mitteln in Höhe von mehr als 417 000 Euro gefördert. Die Fertigstellung ist im Herbst 2010 vorgesehen.

Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Fürstenwalde-Strausberg, machte die etwa 40 Anwesenden auf den selbst Kirchengängern weniger bekannten Propheten Haggai aufmerksam. In dessen nur zwei Seiten umfassenden Buch gehe es um den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem um 520, also nach dem Babylonischen Exil . Schürer-Behrmann verwies in dem Zusammenhang auf das "nationale Wiederaufbauwerk" vor und nach der politischen Wende 1989. Von den mehr als 200 Kirchen in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree sei inzwischen zwar fast die Hälfte saniert, dennoch gebe es auch noch Gotteshäuser, die bei Kriegsende vor mehr als sechs Jahrzehnten zerstört worden waren. "Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wiederaufbau?", fragte der Superintendent.

In Bezug auf Prötzel hob er hervor, dass selbst Nichtkirchenmitglieder festgestellt hätten, dass, wenn die Mitte im Ort nicht in Ordnung ist, auch das Drumherum nicht in Ordnung kommen könne. Und Kirchen seien nun einmal Zeugnis der Arbeit, der Kraft und Kreativität, des Zusammenhalts und der Hoffnung. Auch das Prötzeler Vorhaben sei keine Luxussanierung. "Uns geht es um den funktionellen Erhalt", so Frank Schürer-Behrmann, der die Kirchen als Teil der Kulturlandschaft bezeichnete.

Prötzel sei in mehrfacher Hinsicht eine der größten Baustellen des Kirchenkreises: "Wir bringen uns hier mit 200 000 Euro ein - nicht nur für die Kirche, sondern auch den Ort." Die "Riesensumme" von mehr als 417 000 Euro sei allerdings mit Unterstützung des Brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums zur Verfügung gestellt worden. Nicht vergessen werden dürften weitere starke Partner, darunter das Amt Barnim-Oderbruch, die Gemeinde Prötzel, der Förderverein Prötzeler Schlosskirche, die Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Förderkreis Alte Kirchen und die Familie von Eckardstein. Mehr als 95 Prozent der Bausumme würden über öffentliche Gelder aufgebracht.

Die Kirche selbst habe eine dreifache Perspektive: für Gottesdienste und Versammlungen der Kirchengemeinde, für Veranstaltungen und Treffen der Kommune und eine touristische. Die etwa 800 Einwohner zählende Gemeinde hat unter anderem über die sogenannte Tour Brandenburg Anschluss an das regionale und überregionale Radwegenetz.

Gemeinsam mit dem Schloss könne sie ein wirklicher Anziehungspunkt für Ausflügler werden, meinte auch Dirk Ilgenstein, Präsident des Landesamts für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Selbst in Märkisch-Oderland zu Hause, nannte er es "sehr beachtlich, was in diesem kleinen Ort geschafft wurde".

Amtsdirektor Karsten Birkholz erinnerte unterdessen daran, dass es zwischendurch einen Stillstand in den Bemühungen um die Sanierung gab: "Vor anderthalb Jahren haben wir nicht erahnt, dass wir heute sagen können: Die Finanzierung steht." Die Kirche sei nicht nur wegen des auf der falschen Seite stehenden Turms einzigartig, sondern auch, weil sich hier Bürger engagieren.

So dankte Bürgermeister Rudolf Schlothauer schließlich allen teils jahrelang Beteiligten, allen voran den Mitgliedern des Fördervereins. Bereits im Juli hätten mehr als 30 Prötzeler bei den Abrissarbeiten der Anbauten des Küsterhauses angepackt. Die Kosten für die Container hat inzwischen das Wriezener Wohnungsunternehmen HAGEBA übernommen. Geschäftsführer Hartmut Fahl überreichte dem Kirchenältesten Eberhard Klemke am Freitag den symbolischen Scheck über 1200 Euro.

Quelle: Architektin Bettina Krassuski

Märkische Oderzeitung vom 18. Oktober 2009

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