DENKMALPFLEGE: Versteckte Malereien aus dem Mittelalter

Vor-Ort-Termin in der Lindenberger Kirche / Turm ist sanierungsbedürftig

LINDENBERG - Nur wer genau hinsieht, kann die Malereien erkennen, die sich unter der abgeplatzten Farbe abzeichnen. Dem Marionettenspieler Hans Serner waren die Stellen in der Kirche von Lindenberg (Gemeinde Groß Pankow) aufgefallen. Er regte deshalb an, dass ein Fachmann sie begutachten soll.

Gordon Thalmann kennt sich mit alten Gotteshäusern im Landkreis Prignitz aus. Er ist in der Unteren Denkmalbehörde für die Kirchen zuständig und guckte sich gestern das Lindenberger Gebäude an. "Es scheinen tatsächlich mittelalterliche Farbfassungen zu sein", sagte er zur großen Freude von Pfarrer Christian Gogoll aus Garz und den anwesenden Mitgliedern des Gemeindekirchenrates. Ein Restaurator müsste allerdings klären, ob die Malereien tatsächlich aus dem 13. Jahrhundert stammen, als die Kirche errichtet wurde. Vielleicht seien sie auch erst im 15. Jahrhundert im Zuge der Erneuerung des Turmes angebracht worden, so Thalmann. Die Malereien befinden sich im Kirchenschiff auf Höhe der Sitzbänke und im Altarraum.

Hans Serner freute sich über das Ergebnis. "Wir wissen jetzt, dass es sich um etwas Besonderes handelt. Für die Kirche und den Ort bedeutet das eine Aufwertung", meinte der Lindenberger, der allerdings nicht dem Gemeindekirchenrat angehört.

Pfarrer Gogoll bezeichnete die mittelalterlichen Malereien als ein Pfund, dass bei einer Beantragung von Fördermitteln wichtig sein könnte. Ein großes Problem stellt für die Lindenberger der sanierungsbedürftige Turm dar.

Gordon Thalmann bescheinigte der Kirche ein großes Potenzial, da am Bauwerk noch viel aus dem Mittelalter erhalten geblieben sei. Die Kirche soll nun auf die Prioritätenliste für die Förderung und Bestandssicherung gesetzt werden.

Bei dem Gotteshaus handelt es sich um eine Feldsteinkirche, die seinerzeit dem Domkapitel Havelberg unterstellt war. Die sich abzeichnenden Malereien sind laut Thalmann ein typisches Beispiel für eine mittelalterliche Kirche in der Prignitz. "Spannend wäre es natürlich, zu klären, was dort genau dargestellt ist." (Von Axel Knopf)

Märkische Allgemeine vom 16. Oktober 2009

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