Förderverein Kirche und Mühle Beiersdorf

Von Heike Stachowiak

 

Beiersdorf (MOZ) Er ist aus dem Dorf- und Kulturleben nicht mehr wegzudenken - der Förderverein Kirche und Mühle Beiersdorf. Dem Engagement der Vereinsmitglieder ist es zu verdanken, dass zum Beispiel der Turm der mittelalterlichen Backsteinkirche saniert werden konnte und die Glocken im Dorf nach mehr als 30 Jahren wieder läuten.

Seit 15 Jahren gibt es den Verein. Seine Gründung haben die Beiersdorfer einer gewissen Familie Zürcher zu verdanken. Die war nach dem Krieg aus Beiersdorf in die alten Bundesländer gezogen. Erst die politische Wende machte es möglich, dass einige Beiersdorfer den Kontakt zu Zürchers wieder aufnahmen, erzählt Willi Huwe. Der 52-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins Kirche und Mühle Beiersdorf. Bei einem Besuch der Familie schenkten Zürchers den Beiersdorfern 10 000 DM - mit dem Hinweis, das Geld sinnvoll einzusetzen, so Huwe. Sofort war der Gedanke da, das Geld für die Kirche zu verwenden. Die Idee, einen Verein zu gründen, war beinahe im gleichen Atemzug geboren. Und so wurde am 21. Januar 1994 der Förderverein Kirche und Mühle Beiersdorf mit zu dieser Zeit 30 Mitgliedern aus der Taufe gehoben.

Ursprüngliches Ziel sei die Pflege und Sanierung der ortsbildprägenden Denkmäler gewesen, sagt Huwe mit Blick auf die Vereinssatzung. Gemeint sind die mittelalterliche Backsteinkirche, die im Krieg zerstört wurde und sich nur noch als Ruine präsentiert, sowie die letzte Bockwindmühle aus dem Jahr 1830, deren Betrieb 1959 eingestellt wurde.

Vieles konnte seither bewerkstelligt werden - mit viel Eigenleistung und Engagement. Die Bockwindmühle erhielt 1996 mit finanzieller Unterstützung des Landkreises ein Notdach, um den weiteren Verfall zu verhindern. Da es dem Verein aber bis heute nicht gelungen sei, die Mühle in sein Eigentum zu überführen, habe der Verein mehr die Kirche in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit gerückt. An dem ortsbildprägenden Gebäude mit seiner schicksalhaften Geschichte bestand großer Sanierungsbedarf. Das Beiersdorfer Gotteshaus wurde mehrmals zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Zuletzt brachte der zweite Weltkrieg Unheil über die Kirche, Jahre des Verfalls war das scheinbar vorgezeichnete Schicksal. 1971 wurde das Gotteshaus für eine Nutzung gesperrt. Der aus Fachwerk bestehende Turmaufbau musste wegen Baufälligkeit abgenommen werden. Und am 1. Januar 1976 stürzte bei anhaltendem Wind das Kirchendach ins Kirchenschiff und zerstörte dabei fast die komplette Innenausstattung.

Doch der Verein wollte die Kirche im Dorf behalten. Es war und ist eine Herausforderung für alle, sich der Sanierung des Gebäudes zu widmen. In kleinen Schritten, aber mit viel Euphorie, Engagement und Eigeninitiative. Nach ersten Aufräumungsarbeiten folgte die Sanierung der Fenster des Kirchenschiffes, Arbeiten am Turm und im Kirchenschiff, Spendenaktionen zugunsten der Kirche. Bereits am 7. Juni 2003 konnte das Gotteshaus als sanierte Ruine wieder in Betrieb genommen werden. Das erste Konzert fand am 7. September 2003 statt. Der absolute Höhepunkt sei aber die Inbetriebnahme der Kirchenglocken am 31. Oktober 2005 gewesen. "Das war schon Gänsehautfeeling", erinnert sich Willi Huwe gern an diesen historischen Moment.

Seither habe es viele tolle Veranstaltungen in der Kirchenruine gegeben. Bekannt sind die jährlichen Konzerte, die mittlerweile aus dem Veranstaltungskalender der Region nicht mehr wegzudenken sind. Erst in diesem Jahr platzte das Gotteshaus fast aus den Nähten, als das Jugendorchester Bad Freienwalde gemeinsam mit dem Handwerkermännerchor und dem Gymnasiumschor SONUS für unterhaltsame Stunden sorgte.

Derzeit qualmen die Köpfe im Vorstand vor allem darüber, wie mehr junge Menschen an den Verein und seine Ziele herangeführt werden, wie sich die Jugend der Kulturpflege mehr verschreiben könnte. Ein Countrykonzert schwebe den Verantwortlichen vor, ohne dabei schon eine Gruppe vertraglich gebunden zu haben. Bei der Planung dürfen die Kosten nicht außer Acht gelassen werden. Denn die Ruine biete nur zwischen 250 bis 300 Gästen Platz, so Huwe. Und den Eintrittspreis pro Gast von 5 Euro wolle man nicht erhöhen.

Dass im nächsten Jahr aber wieder ein Konzert stattfindet, das steht für die Beiersdorfer fest wie das Amen in der Kirche. Schließlich hätten die Konzerte eine Hausnummer und als Vereine stehe man gewissermaßen in der Pflicht, meint Willi Huwe. Er verweist aber auch auf die vielen anderen Veranstaltungen, die der Förderverein gemeinsam mit anderen Vereinen im Dorf organisiert - angefangen vom Erntefest bis zum Weihnachtsmarkt.

DREI FRAGEN AN Willi Huwe, Vorsitzender des Fördervereins

 

Herr Huwe, welche Arbeiten stehen an der Kirchenruine demnächst an?

Wir wollen den Ostgiebel der Kirche sanieren. Er ist bereits eingerüstet.

Erhalten Sie dabei Unterstützung?

Ja, die Maßnahme wird von der Kirchengemeinde, dem Konsistorium und dem Förderverein gemeinsam finanziert. Die Kosten belaufen sich auf 21 000 Euro. Der Förderverein steuert 6000 Euro bei. Bereits im vergangenen Jahr hat es eine gute Symbiose zwischen Kirchengemeinde und Verein gegeben. Da konnte die Friedhofsmauer saniert werden.

Welche Vision haben Sie?

Wir diskutieren derzeit darüber, wie es mit der Kirchenruine weitergehen soll. Wollen wir die Kirche herrichten, wie sie einmal war? Und wenn ja, in welchen Etappen.

Soll erst das Dach und der Innenraum der Kirche gestaltet werden oder der Turm?

Ich bin für die Turmgestaltung in der ersten Etappe. Ich erinnere mich noch an die 700-Jahr-Feier. Das war 1967. Da fand die letzte Turmbesteigung statt. Die 750-Jahr-Feier wäre 2017. Das wäre ein überschaubarer Raum, um geeignete Partner zu finden. Noch gibt es keine spruchreife Kostenschätzung. Aber fest steht, dass es kein Pappenstiel sein wird. Wir müssen mit vielen Leuten reden, Leute, die das Engagement für die Kirche in Beiersdorf anerkennen.

Wie stehen die Beiersdorfer zu den Aktionen des Vereins?

Ich denke, diese werden positiv gesehen. Die Spendensammlung für die neuen Glocken ist nur ein Beispiel dafür, das uns zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In den drei Stunden, in denen wir im Dorf unterwegs waren, haben wir damals immerhin 1400 DM gesammelt.

Märkische Oderzeitung vom 10. Oktober 2009

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