SANIERUNG: Traumjob für Zimmerer und Maurer

Einzigartige Arbeit: Die Gewölbe der Sankt-Marien- Andreas-Kirche

RATHENOW - Neue Gewölbe für das Hauptschiff der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Diesen Auftrag wollte Roland Schulze, Chef der gleichnamigen Potsdamer Baudenkmalpflege GmbH, unbedingt haben, und es ist ihm auch gelungen. Der erste Grund für seinen Ehrgeiz war, dass er in Rathenow geboren wurde. Wohnhaft am Lutherplatz, zog er aber schon 1964 als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Potsdam um. Vater Wolfhart Schulze wurde in dieser Kirche konfirmiert. Der zweite Grund hat eine weniger persönliche Natur. "Die Herstellung der Gewölbe ist für meine Firma ein Highlight", sagt Roland Schulze. In dieser Größe sei das eine absolute Seltenheit.

Die Schulze Baudenkmalpflege hat unter anderem das Gewölbe für das neu errichtete Fortuna-Portal des Potsdamer Schlosses gemauert und verfügt sowieso über einen guten Namen, doch den Rathenower Auftrag hat der Chef auch noch aus einem anderen Grund angenommen. "Wir führen hier junge Leute an solche Arbeiten heran", erklärt Roland Schulze, "wir leben davon, dass wir die Erfahrung weitergeben." 60 Beschäftigte habe er in seiner Firma, alle Altersbereiche eines Arbeitslebens seien gleichberechtigt vertreten. In Rathenow konnte Schulzes Nachwuchs außerdem noch eine besondere Erschwernis kennenlernen: Das Hauptschiff ist konisch, es wird in Richtung Turm einen halben Meter enger. Außerdem ist das westlichste Gewölbe in Ost-West-Richtung sogar einen ganzen Meter schmaler als das östlichste.

Genau dieses "Kleinerwerden" ist für Zimmermann Gerhard Rühlicke aus Michendorf, der die Lehrgerüste für die vier Gewölbe baut, eine echte Herausforderung. Er erklärt: "Wenn man später nach oben schaut, sollen die Gewölbe natürlich möglichst identisch aussehen." Der Grundradius der Gewölbebögen ist 6,56 Meter. Doch deren Krümmung ändert sich ständig ein wenig. Auch Zimmermann Gerhard Rühlicke ist vom Rathenower Projekt sehr beeindruckt und sagt: "Die Schalung für so ein Sterngewölbe baut man nur einmal im Leben." Weil Gewölbe auf diese Weise heute eigentlich gar nicht mehr gebaut werden: Stein für Stein.

Der Maurer kann nur richtig arbeiten, wenn die Schalung absolut stimmt. Und das ist gar nicht so leicht: Immerhin stecken stattliche 25 Kubikmeter Bauholz in der Schalung, sie ist vom Kirchenboden bis zur Gewölbespitze 12,60 Meter hoch.

Da ganz oben klettern zurzeit zwei junge Leute herum. Stefan Unkelbach und Thomas Lempke von Schulze Baudenkmalpflege mauern genau auf der Schalung entlang die Rippen für die Gewölbe nach oben. Die Rippen für das erste und zweite Gewölbe sind fertig. Für das dritte und vierte Gewölbe steht das Gerüst noch nicht. Die Rippen müssen in absolut exakten Linien verlaufen, denn sie sollen später die Kappen aufnehmen. Das sind die anschließend zu mauernden Verbindungen zwischen den Rippen. Die Problemstellen sind die Knotenpunkte, wo die Rippen zusammenstoßen. Die Passsteine dort werden von Hand zurechtgeschnitten, damit sie richtig sitzen. Außerdem geben Edelstahlstangen den Knotenpunkten mehr Festigkeit. "Solche Gewölbe zu mauern ist eine große Herausforderung", sagt Stefan Unkelbach, "das ist sehr selten heute, für jeden Maurer ein richtiges Highlight." (Von Bernd Geske)

Märkische Allgemeine vom 09. Oktober 2009

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