Mann und Maus fürs Kirchenhaus

Von Gabriele Rataj

Wegendorf/Petershagen (MOZ) Der Förderverein Dorfkirche Wegendorf möchte zu Weihnachten die seit dem Krieg stummen Glocken im Kirchturm wieder zum Klingen bringen - eine Herausforderung für den jungen Verein.

Am 17. Oktober ist Premiere für Herrn von Wegen-Dorf-Kirchenmaus. Mit dieser Idee sollen Kinder während des Wegendorfer Herbstfestes zu einem Besuch in das älteste Gebäude ihres Wohnortes gelockt werden. Bei Führungen für ganz Kleine und etwas Größere wird das beinahe adelige Kirchenmäuslein auf alle neugierigen Fragen eingehen und damit vielleicht mehr Interesse am Erhalt dieses Bauwerks mitten im Ort wecken.

Genau das möchten die Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Enrico Konkel für ihr Vorhaben. Sie scheuen dafür keine Mühe, selbst wenn sich der Weg als steinig erweist. Die Zahl der Besucher zur großen Benefizveranstaltung vor zwei Wochen war beispielsweise recht überschaubar. Dabei hatte der Verein gemeinsam mit den Strausberger Rotariern einen sehr vielgestaltigen Nachmittag vorbereitet. Er bestand aus weit mehr als Kuchenstand und Bierausschank. Die Band "The Fellows" lieferte den musikalischen Part. Für die Führung durch das Gotteshaus war eine Expertin dabei. Vereinsmitglied und Kunstgießer Wilfried Hann stellte zwei seiner Objekte zur Versteigerung bereit und am Kircheneingang war das im Sommer ausgebaute und inzwischen runderneuerte Uhrwerk der Turmuhr aufgebockt worden.

Die kleinere der beiden Turm-Glocken stand zu dem Zeitpunkt schon bei Roland Burkhardt - zurückgekehrt von der Reparatur in einem Schweißwerk im Süden. Nachdem der Riss im Körper beseitigt, die fehlende Öse zur Aufhängung angebracht wurde, bringt Burkhardt all jene Teile in Ordnung, die das Gesamtkonstrukt aus Glocken, Uhr und Zeitanzeige für "die nächste Ewigkeit funktionsfähig und wartungsfrei machen". Er ersetzt verrostete durch neu angefertigte Gewinde, stellt Beschläge her, verschraubt Bolzen und Muttern aus witterungsbeständigem Edelstahl, feilt und ölt und putzt.

Der Petershagener ist wie der Bruchmühler Hartmut Spühr einer jener Akteure, die das Wegendorfer Vorhaben nach Kräften mit ihren Fertigkeiten und Erfahrungen unterstützen. Das Überholen des Uhrwerks zählt dazu oder das aufgearbeitete Schlagwerk, das noch in Einzelteilen in der Burkhardtschen Werkstatt auf den späteren Transport und Einbau wartet.

Derzeit ist der Bastler dabei, das im Durchmesser knapp 1,50 Meter große Zifferblatt samt Zeigern und Ziffern für die Nord-Seite des Kirchturms fertigzustellen. Bloß gut, dass er Zeit seines Lebens viel Nützliches aufgehoben hat, wie das Material für die Ziffern. "Das stammt noch aus DDR-Zeit - sehr haltbar." Und für das Joch der großen Glocke steht auch schon ein gewaltiger Block aus Eichenholz parat, "bestimmt 200 Kilo".

"Als nächstes werden wir im Turm den Glockenstuhl anheben, die maroden Balken ersetzen, das Glocken-Joch austauschen", richtet Vereinsvorsitzender Enrico Konkel den Blick nach vorn. Die Zeit für ehrenamtlich Wirkende ist knapp. Bis zum Jahreswechsel aber soll die erste Etappe bewältigt sein, die Turmuhr ticken und die Glocken am Weihnachtsabend schlagen.

Das bringt hoffentlich weitere Befürworter und Mitstreiter zu den Vereins-Aktiven, die sich über alle Glaubensrichtungen hinweg gefunden haben. "Mancher hat erstmals zu unseren Sonntagsöffnungen die Kirche betreten", ist Konkel auch froh über kleine Erfolge.

Doch der Erhalt der Kirche als kulturhistorisches Zentrum braucht viele. Über Fördermöglichkeiten wird sich der Verein zudem beim Bürgermeister Anregungen holen und im Kirchensprengel Kontakt suchen. Und demnächst rückt ja auch vierbeinige Unterstützung an: in Form einer schlauen Kirchenmaus für Kinder.

Märkische Oderzeitung vom 08. Oktober 2009

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