Schönheitskur steht endlich an

Schönheitskur steht endlich an 
Die Schlosskirche von Prötzel im Landkreis Märkisch Oderland hat seit 2003 einen Förderverein.
ddp

PRÖTZEL - Nachdenklich steht Eberhard Klemke am Eingang zur Gruft der Schlosskirche von Prötzel bei Strausberg. Der Kirchenälteste des Ortes blickt auf den nur schemenhaft erkennbaren, teilweise abgesenkten Fußboden. "Mit der Gruft hat alles angefangen. Die sorgte dafür, dass unsere Sanierungsbemühungen endlich Erfolg hatten", sagt Klemke, der dem Förderverein zur Rettung der 1697 erbauten Schlosskirche angehört.

Der Kampf um Gelder für das sichtbar marode Bauwerk schien zunächst aussichtslos. Gibt es im Land Brandenburg doch viele Sakralbauten, die vom Verfall bedroht sind. Erst als bekannt wurde, dass in der Kirchengruft gut erhaltene Mumien liegen, sei das Interesse auch außerhalb von Prötzel gewachsen, erinnert sich Klemke. Und dann standen Fördermittel aus dem Fonds zur Rettung von Bauwerken mit überregionaler Bedeutung bereit.

"Die Investitionssumme in Höhe von 674 000 Euro liegt bereit", bestätigt Petra Kobalz vom Kirchlichen Bauamt Fürstenwalde. An der Finanzierung der "Schönheitskur" für Dach, Fassade und das Kircheninnere beteiligt sich laut Kobalz auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. "Baugeschichtlich etwas Besonderes ist das Gotteshaus zum einen, weil der 1786 angebaute Turm an der falschen, der östlichen Seite steht. Üblich sind Kirchtürme an der Westseite", sagt Architektin Bettina Krassuski, die die Sanierung leitet. Andererseits ist der Sakralbau ihren Angaben zufolge ein historisch gewachsenes Ensemble zusammen mit dem Schloss Prötzel, das östlich der Kirche steht und als eine der wertvollsten Barockanlagen im Land gilt. "Deshalb hat die Denkmalpflege ein besonders Augenmerk auf die Restaurierung", sagt die Architektin. Doch während die Schlosskirche bald wieder im originalgetreuen Rosarot erstrahlen soll, verfällt das Schloss weiter.

Die acht in der Gruft gefundenen Särge mit den sterblichen, mumifizierten Überresten wurden unterdessen ausgelagert, um auch diesen Raum wieder würdevoll herzurichten. "Bestattet wurden hier Angehörige der Familie von Eckardstein, die 1801 Gut, Schloss und Schlosskirche Prötzel erworben hatte", sagt Rolf Kaupat, der im Auftrag des Fördervereins seit Jahren Besucher durch das Gotteshaus führt.

Die Gruft war zuvor nicht zugänglich, ein früherer Eingang zugemauert. Ein Blick durch ein schmales, vergittertes Kellerfenster hinterließ einen trostlosen Anblick: zu sehen waren hölzerne Sargteile, aufgebrochene Totenschreine aus Zink und menschliche Knochen. Unbekannte hatten die Gitterstäbe herausgebrochen, waren durch die Fensteröffnung gekrochen und hatten alle Särge aufgebrochen.

"Erst dadurch entdeckten wir, dass die Toten mumifiziert und gut erhalten sind", berichtet Kaupat. Durch das offene Kirchenfenster herrschte offenbar eine gute Luftzirkulation, die zum Konservieren der Leichen beitrug, wie aus einem inzwischen erstellten archäologischen Gutachten hervorgeht. Im Zuge der Kirchensanierung werden laut Krassuski die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Dachtruhensärge restauriert.

von Bernd Kluge, ddp

Der Prignitzer vom 05. Oktober 2009

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