MAZ-VEREINSPORTRÄT: Mit Schwein zum Erfolg

Langener gründeten 1997 einen Förderverein zur Rettung der Dorfkirche

LANGEN - Jedes verspeiste Wildschwein bringt die Langener Kirche in der Sanierung ein Stück voran. Auf Initiative von Friedrich Weber und seiner Frau wurde das Wildschweinfest ins Leben gerufen. In diesem Jahr fand es bereits zum zwölften Mal statt. Der Reinerlös dieses Festes kommt immer der Kirche zugute.

Es begann alles 1997. Der Zustand der Dorfkirche, die am 16. Oktober 1855 eingeweiht wurde, war bedenklich. Auf Anregung der Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius gründete sich ein Förderverein mit damals acht Mitgliedern. Heute sind es 25. Seit zehn Jahren ist Friedrich Weber Vereinsvorsitzender.

"Von 20 Mark Jahresbeitrag kann man keine Kirche sanieren", sagt Friedrich Weber. Das kann man auch nicht von einem Beitrag von mittlerweile 30 Euro. "Wir haben immer überlegt, wie wir Geld zusammenbekommen können." Bei der Überlegung allein blieb es nicht. Das Ehepaar Weber setzte den Plan in die Tat um und organisierte erstmalig 1998 auf seinem Hof ein Wildschweinfest zugunsten der Langener Kirche. Das fand so großen Anklang, dass es seitdem immer am ersten Septemberwochenende stattfindet und einige Tausend Euro in die Kasse des Fördervereins spült. In diesem Jahr wurden vier Wildschweine verputzt, so Weber.

Mit dem Geld wurde bisher viel bewirkt. So sind das ganze Dach und der Dachstuhl komplett saniert, die Eindeckung neu. Die Innendecke konnte in den Originalzustand aus der Bauzeit von 1855 versetzt werden. Dadurch hat sich auch die Akustik total verändert, so Friedrich Weber. Diese umfangreiche und aufwändige Baumaßnahme, die rund 250 000 Euro kosten sollte, konnte der Verein nicht allein stemmen. Da kam die Spendenzusage der Hermann-Reemstma-Stiftung gerade recht. Unter der Voraussetzung, dass sich noch andere an den Kosten beteiligen, wollte sich die Stiftung mit immerhin 80 000 Euro beteiligen. Das Land Brandenburg, die Landeskirche, der Gesamtkirchensprengel und der Förderverein gaben Geld. "Nur so konnten wir die Riesensache stemmen", erinnert sich Weber.

Bei der Andacht zum diesjährigen Wildschweinfest kamen die Kirchenbesucher in den Genuss, die neue Orgel zu hören. "Sie ist das absolut Beste, was es zurzeit auf dem Gebiet gibt", schwärmt Weber.

Der Förderverein hat noch einiges vor. So soll noch in diesem Jahr die Eingangsfassade saniert werden. Friedrich Weber rechnet damit, dass bis Ende Oktober die Zifferblätter der vier Kirchturmuhren installiert sind. Diese wurden vor zwei Jahren abgebaut. "Die Rekonstruktion ist eine irrsinnige Arbeit. Alles muss mit der Hand ausgeschnitten und vergoldet werden", sagt der Vereinschef. Die Zifferblätter werden nach einem Denkmalpflegerischen Gutachten wieder hergestellt. Es sei eine Investition für Jahrhunderte, so Weber. Für dieses Jahr rechnet der Förderverein mit etwa 25 000 Euro Ausgaben. Für 2010 sind einfache Malerarbeiten im Innenraum geplant. "Für eine Sanierung der Apsis, der Altarnische, brauchen wir größere Sponsoren", sagt Weber. "Es ist mein Traum, das in den nächsten drei Jahren zu schaffen", sagt er, der unermüdlich im Einsatz für das Gotteshaus seiner neuen Heimat ist. Der Architekt zog erst 1992 nach Langen.

"Wer sich einmal engagiert, tut es immer wieder", sagt Weber. Er selbst ist seit seiner Kindheit religiös geprägt. Sein Großvater war und sein Bruder ist Pfarrer. Der sage immer: "Du tust viel mehr für die Kirche als ich. Ich predige, du sammelst Geld." Das wird Friedrich Weber wohl auch in Zukunft tun, damit sich sein Traum von einer sanierten Apsis verwirklicht. (Von Dagmar Simons)

Märkische Allgemeine vom 16. September 2009

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