KIRCHE: Sagenumwobene Schätze

Bechliner Gotteshaus hat spannende Vergangenheit und hoffnungsvolle Zukunft

NEURUPPIN - Einen abenteuerlichen Weg geht es in den 30 Meter hohen Kirchturm hinauf. Steile Leitern und wackelige Bretter sind nicht jedermanns Sache. Doch der Alt Ruppiner Dieter Fülle steigt die 66 Stufen ohne Bedenken hoch und wird mit einem schönen Ausblick entlohnt.

Am Sonnabend öffnete die 700 Jahre alte Bechliner Dorfkirche in Neuruppin zum Tag des offenen Denkmals ihre Türen. Zuvor hatten die 40 Mitglieder des 2005 gegründeten Fördervereins "Dorfkirche Bechlin" und Einwohner des Dorfes kräftig anpacken müssen.

Vor ein paar Jahren war das Kleinod so zugewachsen, dass die Kirche von der Straße aus nicht mehr zu sehen war. In vielen Arbeitseinsätzen schafften die Bechliner Ordnung auf dem Gelände. Auf der entstandenen Rasenfläche konnten die Besucher am Sonnabend bei Kaffee und Kuchen den Erzählungen zur Kirchengeschichte lauschen.

Auch für die nächsten Jahre haben sich die Gemeindemitglieder und der Förderverein einiges vorgenommen. Die um 1300 aus Feldsteinen gebaute frühgotische Hallenkirche soll so schnell wie möglich renoviert werden. Der kühnste Plan wird dabei als Letztes umgesetzt: Im Kirchturm soll ein dreigeschossiger Gemeinderaum entstehen mit Blick in die Kirche. "Wer keine Visionen hat, der packt auch nichts an", erklärte der Vereinsvorsitzende Klaus Koschewski und ergänzte: "Spenden können bei diesen Visionen natürlich helfen."

In der Kirche hatte der Vorsitzende der Ortskirchengemeinde, Gerhard Neumann, einige Schätze ausgestellt. Darunter einen 1845 geflochtenen Ehrenkranz für Elise von Kunowska, eine Gutshoftochter. "Damals war es in Brandenburg Tradition, für jung Verstorbene Kränze zu flechten", sagte Neumann. Hinein kamen Blumen, Bänder und manchmal auch Haare der Verstorbenen. Mit perlenbestickten Bändern wurden die Kränze in der Kirche aufgehängt.

Ein rostiges Metallstück ist sicher das kostbarste Exemplar in der Kirche. Mit diesem "Knief", eine Art Haumesser, soll damals ein Bauer die Stränge der Kutsche des Grafen von Ruppin durchschnitten haben. Wer mehr von der Sage hören will, sollte nach Bechlin fahren. Zum Beispiel zu einem der drei Konzerte, die alljährlich im Mai, Juli und September stattfinden. (Von Lisa Kittler)

Märkische Allgemeine vom 14. September 2009

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