Der verschollene Kirchenuhrzeiger der Stadt Forst

Ein Geschenk von Heinz Renner (77) macht die Forster Kirchengemeinde glücklich: Die nach dem Krieg verschollenen Kirchturmuhrzeiger und das Zeigerwerk der Stadtkirche bringt er zum Tag des Denkmals zurück in den Kirchturm von St. Nikolai. Dort können die Uhrenteile künftig von allen Forstern bestaunt werden.

Der verschollene Kirchenuhrzeiger der Stadt Forst 
Heinz Renner zeigt die alten Zeiger der Kirchenuhr.
Foto: Selmons

Uhrmachermeister Heinz Renner sitzt in seinem Garten in der Sorauer Straße. Ein kleiner Brunnen plätschert unter der Sonne. Renner deutet auf zwei Messingzeiger und Zahnräder, die er auf einen Tisch auf den Rasen gelegt hat. "Das sind sie", sagt er knapp. Sein Vater habe die Teile 1946 aus den Trümmern auf dem Platz vor der Stadtkirche gefischt. "Er hat damals sogar gefragt, ob er das mitnehmen kann. Aber das hatte doch für die Leute nach dem Krieg keinen Wert", sagt Heinz Renner. So gelangten die alten Uhren-Teile in seine Forster Garage und gerieten in Vergessenheit.

Frank Henschel (42) vom Vorstand des Forster Kirchbauvereins staunte kürzlich nicht schlecht, als er im Nachlass eines Gemeindemitgliedes eine Zeitung von 1992 fand. "Da war ein Bild von den Zeigern", sagt Henschel. Überrascht sei die Gemeinde gewesen und er fasste den Beschluss: "Wir müssen da mal nachhorchen."

Heinz Renner kann sich genau an den selbst initiierten Artikel erinnern. Er habe sich damals geärgert, weil es Streit um die denkmalgerechte Sanierung der Kirche gab. "Die haben damals einen bereits angebrachten Wetterhahn absägen müssen, weil er nicht original war. Da habe ich gedacht: Na, die ärgerst du mal", erinnert sich der Uhrmachermeister. Schließlich seien die neuen Uhrzeiger ja auch nicht original gewesen. Renner: "Ich wollte mal sehen was passiert, wenn von den Zeigern mal etwas im Wochenblatt steht. Aber es passierte gar nichts." So gerieten die Uhrenteile wieder in Vergessenheit. Die alten Zeiger habe er schließlich an seinem Balkon angebracht. "Da haben sie gehangen", sagt Renner und deutet hinter dessen Brüstung. "Es wusste ja keiner so richtig, was das ist, deshalb hat sie wohl in der ganzen Zeit keiner geklaut", meint der Uhrmachermeister und lacht.

Aus welcher Zeit die beiden Uhrzeiger und das Zeigerwerk tatsächlich stammen, sei schwer zu sagen, sagt Frank Henschel vom Kirchbauverein. Es könne jedoch sein, dass die Stücke tatsächlich aus der Zeit des Barock-Umbaus der Kirche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Die Freude in der Kirchengemeinde sei jedenfalls groß und Pläne für die alten Uhrenteile gebe es auch.

"Ich habe die Sachen doch gerne herausgegeben", sagt Heinz Renner. Er könne nichts weiter damit anfangen. Besonders freut er sich, dass er sogar das alte Wechselwerk für die Uhrenteile wiedergefunden hätte. "Mit einem entsprechenden Antrieb könnte die Uhr jetzt richtig laufen", sagt er und der Uhrmachermeister erklärt, wie die Zahnradübersetzung dafür sorgt, dass Stunden- und Minutenzeiger richtig laufen.

Als Kirchturmuhr an St. Nikolai werden die Zeiger zwar nie mehr die Stunden anzeigen. Doch den Weg in den Turm der Stadtkirche gingen sie doch. "Wir planen, die Teile der Uhr im Innenraum zu zeigen", sagt Frank Henschel. Vorher müssten sie noch ein bisschen aufgearbeitet werden "und dann werden sie innerhalb des Kirchturms angebracht", sagt der Mann vom Kirchbauverein.

"Es ist doch schön, wenn die Leute das angucken können", sagt Uhrmachermeister Heinz Renner schmunzelnd. Einen ganz schönen Rummel habe es inzwischen schon gegeben. Ein bisschen scheint er sich doch über das Interesse der Forster zu freuen. "Langsam reicht es aber auch", sagt er und erinnert sich an seinen letzten großen Auftritt, den er erlebt hat: "Da habe ich den goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer bekommen." Im Jahr 2007 sei das gewesen. Dabei kann er sich noch genau an die Zeit erinnern, als er die ersten Wecker repariert habe. "Ich habe damals meinen Vater unterstützt. Wir mussten durch die Nachkriegsjahre kommen."

Langsam steht Renner auf und sagt: "Jetzt kann ich die Zeiger wegräumen. Heute wird sie keiner mehr sehen wollen."

Von Jan Selmons

Lausitzer Rundschau vom 11. September 2009

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