Putz keine Bausünde jüngerer Zeit

Von Elke Lang

 
Blick an die Decke: Hans-Jürgen Rach (2. v. r.) beantwortet nach dem Vortrag Fragen der Besucher. Neben ihm der Schriftsteller Günter de Bruyn aus dem benachbarten Görsdorf.

Wulfersdorf Nach einer Lesung durch Günter de Bruyn und einem Volksliederkonzert des Dorfchores Sieversdorf war auch die dritte Benefizveranstaltung des Fördervereins Dorfkirche Wulfersdorf erfolgreich. Knapp 40 Besucher interessierten sich für die Baugeschichte dieses Gotteshauses und für die Besonderheiten seiner Orgel.

"Ich hoffe, ich konnte dazu beitragen, den Stolz auf dieses Kirchlein zu erhöhen", schloss Hans-Jürgen Rach, Bezirksdenkmalpfleger im Ruhestand, seinen Vortrag zur Baugeschichte. Und stolz können nicht nur die Wulfersdorfer sein, sondern überhaupt die Oder-Spreeler, fügt sich doch dieses Gebäude mit seiner historischen Substanz als ein wertvolles Glied in den Reigen der historischen Bauwerke des Landkreises ein. Darauf machte der promovierte Wissenschaftler immer wieder aufmerksam, indem er zahlreiche Vergleiche zu anderen Kirchen in der Region heranzog.

Mit ihren Gebäudeteilen aus dem 15. Jahrhundert zählt die Kirche zu den ältesten. Ihr heutiges Aussehen im Inneren allerdings wurde 1670 im Stile des Barocks geprägt. Gestühl, Kanzelaltar, Taufe und Orgelempore, auch die Deckenbalken sind einheitlich mit barocken Akanthusblättern geschmückt, "und in dieser Einheitlichkeit muss die Ausgestaltung unbedingt erhalten bleiben", mahnte Rach angesichts der zahlreichen Feuchtigkeitsschäden an. Bereits 1908 war die Innenausmalung erneuert worden. Ob die jetzige wirklich völlig dem Original entspricht, müsse noch durch Restauratoren überprüft werden, so Rach.

Die Wulfersdorfer Kirche ist ein Feldsteinbau, wie er in die Landschaft passt und ihr ein eigenes Gepräge gibt. Bedauert werden kann, dass sie irgendwann verputzt wurde. Allerdings sei das Verputzen nicht eine Bausünde neuerer Zeit, sondern habe auch seine historischen Beispiele, wie der Denkmalexperte erklärte. Als Besonderheit in der Innenausstattung erwähnte er noch die Totenbretter, die ursprünglich Totenkronen getragen hatten, aber im Laufe der Zeit fast überall als Staubfänger verschwanden. "Hiermit wurden die einfachen Menschen, das gewöhnliche Volk, gewürdigt", ist für Rach ein ganz wichtiger Grund, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Die kleine pneumatische Voigt-Orgel von etwa 1912 mit ihren sechs romantisch disponierten Registern ist zwar das jüngste beachtenswerte Inventarteil, aber auch schon historisch. Sie wurde in einem kleinen Konzert durch den 69-jährigen ehemaligen Landwirt Manfred Jacka vorgestellt, der immer zu den Gottesdiensten im Bereich Tauche spielt. Zwar fehlen einige Töne, andere sprechen verzögert an und das Gebläse ist sehr laut, aber unter Jackas Händen und Füßen entfaltete sie doch einen ganz eigenen Charme.

Mit den Veranstaltungen will der Verein "immer wieder und noch mal" kleinere und größere Spenden für die Restaurierung von Kirche und Orgel einwerben. Diesmal waren es 166 Euro.

Märkische Oderzeitung vom 18. August 2009

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