BAUEN: Schönheitskur für Kirche

Hüllensanierung am Beelitzer Gotteshaus / Feuchtigkeit bleibt Problem

BEELITZ - Die Fassadensanierung der Beelitzer Stadtpfarrkirche hat begonnen. Seit gut einer Woche steht das Gerüst, die Bauarbeiter sind bereits aktiv geworden. Ein großes Banner am Gerüst weist auf dringenden Handlungsbedarf hin: "Diese Kirche braucht Engel!", steht in großen Lettern auf dem Plakat. Der Förderverein der Stadtpfarrkirche St. Marien-St. Nikolai bittet auf diese Weise um Spenden, denn: "Das historische Wahrzeichen in der Mitte dieser Stadt verfällt vor aller Augen."

"Endlich geht es los", sagt der Fördervereinsvorsitzende Jens Nitschke. Das Hauptproblem der Kirche aus dem 13. Jahrhundert sei die Feuchtigkeit, die sich besonders im Innenraum zeige. Für Nitschke liegt die Erhaltung des Bauwerks im öffentlichen Interesse. Deshalb hoffe der Verein auf breite Unterstützung. "Über künftige Nutzungsmöglichkeiten der Kirche müssen wir uns dann aber auch klar werden."

Der Start der Hüllensanierung ist ein Ergebnis von Gesprächen zwischen Bürgermeister Thomas Wardin (SPD) und den Fraktionsvorsitzenden mit Kirchen- und Vereinsvertretern. "Grundlage der Arbeiten ist ein Gutachten, das im Auftrag der Kirche angefertigt wurde", sagt Wardin. Für den Bürgermeister ist die Sanierung des Gotteshauses ein Herzensanliegen. "Ich bin in dieser Kirche getauft und konfirmiert worden." Außerdem habe er das Bauwerk, das unmittelbar neben dem Rathaus steht, täglich vor Augen.

Zwischen Stadtverwaltung, Pfarrer und Förderverein hatte es in der Vergangenheit Streit um den richtigen Weg zur Rettung der Kirche gegeben. "Ich bedaure das und würde mir an manchen Stellen eine bessere Zusammenarbeit wünschen", sagt Wardin. Immerhin sei in den 1990-er Jahren bereits vieles getan worden. "Kirchturm und Dach wurden saniert und beide Maßnahmen waren richtig teuer."

Über die Ursachen der anhaltenden Feuchtigkeitsprobleme kann indes nur spekuliert werden. Bürgermeister Wardin hat beobachtet, dass die Installierung einer Dachrinne die Situation bereits wesentlich verbessert hat. "Auch die fehlende Durchlüftung des Innenraums und das dadurch entstehende Kondenswasser kann Grund für die Schäden sein."

Der Förderverein schlägt vor, angeschüttetes Erdreich um die Kirche herum wieder zu entfernen, um das Fundament und den Sockelbereich zu belüften. Das würde aber eine aufwendige Umgestaltung des Kirchenplatzes nach sich ziehen.

"Es hat sich herausgestellt, dass die Sockelbereiche aus Feldsteinen nicht von Feuchtigkeit betroffen sind", beschreibt Wardin die Situation. Im Rahmen der Hüllensanierung soll nun an zwei Stellen überprüft werden, wie es um die Backsteine bestellt ist. Mit im Boot sind Experten des Landesdenkmalamtes.

In der Hauptsache werden in den kommenden Wochen Risse in der Fassade repariert und Fugen ausgebessert. Auch die Fenster sollen gemacht werden. Die Kosten belaufen sich laut Wardin auf 288 000 Euro. Einen Großteil davon trägt die Stadt. Sie steuert aus dem Topf der Städtebauförderung 115 000 Euro bei, außerdem stellt sie weitere 115 000 Euro aus einem Topf zur Verfügung, den sie nach der Gebietsreform für die Kirchen im Gemeindegebiet angelegt hatte. Weitere 70 000 Euro kommen von der Landeskirche. (Von Jürgen Stich)

Märkische Allgemeine vom 12. August 2009

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