"Das ist eine Riesensache"

Steinbeck (MOZ) Die Arbeiten an der Kirche Steinbeck kommen wieder ein gutes Stück voran. Nach der Turmsanierung im Jahr 2004 nehmen die Bauleute jetzt den zweiten Bauabschnitt in Angriff: Die Erneuerung von Dach und Dachstuhl soll Ende September abgeschlossen sein. Für die nächste Bauphase, die Fassadensanierung, fehlt noch das Geld. Weil das um 1900 errichtete Gebäude nicht alt genug ist, gibt der Denkmalschutz keine finanzielle Hilfe. So sammelt der Förderverein wieder Spenden beim literarisch-musikalischen Nachmittag am Sonnabend, 15. August, in der Kirche Wollenberg.

Von Susanna Hoke

 

"Das ist eine Riesensache", sagt Barbara von Eckardstein sichtlich zufrieden. Schließlich haben die Vorsitzende und ihre Mitstreiter vom Förderverein Kirche Steinbeck immerhin 20.000 Euro für die Dachsanierung gesammelt. Weitere 106.000 Euro stammen vom Land Brandenburg, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa), der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde. "Das Dach ist das wichtigste vom ganzen Gebäude", sagt Barbara von Eckardstein. Auch die Entwässerung müsse erneuert werden. Aufgrund von Denkmalschutzauflagen darf das Gebäude keine Dachrinne bekommen. Daher muss auch die marode Rollschicht am Sockel rund um die Kirche, wo das Wasser abläuft, erneuert werden.

Derzeit ist die Kirche außen und innen eingerüstet, nur über Leitern und kleine Luken kommt man bis ganz nach oben zu Patrik Bollin und Dirk Schlaegel. Gestern hatten die beiden Mitarbeiter von der Altranfter Gebäudesanierungsfirma Schlaegel am Giebel zu tun, haben rote Backsteine vermauert und verfugt. "Die sind maschinell hergestellt, sehen aber aus wie die Steine, die ursprünglich einmal verwendet wurden", sagt Patrik Bollin, der gerade die Rollschicht erneuert. Währenddessen klopft sein Kollege auf der anderen Seite zwei Nägel in die Mauer und spannt einen Faden, damit die Schicht auch gerade wird. Außerdem verfugen die Maurer die Schornsteine neu und tauschen alte, schon brüchige Steine aus. Abgedeckt sind die Schlote mit grün lasierten Ziegeln, die auch schon bessere Tage gesehen haben. Diese sollen nachgeformt werden, aber dafür fehlt bislang noch das Geld.

Im Dachstuhl sind derweil Danny Seifert und Volker Kellig von der Zimmereihandwerk Aufbau Gmb H aus Chemnitz am Werkeln. Altarraum und Bänke sind mit dicken Planen abgedeckt. Die Dachziegel wurden schon eingelagert und ebenfalls vorläufig durch eine Plastikplane ersetzt. Durch ein Loch in der Fassade haben die Handwerker einen schönen Blick ins Dorf. Die dazugehörigen Feldsteine liegen eine Etage tiefer - säuberlich sortiert mit roten Nummern auf gelben Klebezetteln. Sie werden wieder eingemauert und verfugt, sobald das Dach mit neuen und noch erhaltenen Ziegeln rekonstruiert ist. Dort, wo der Turm an das Kirchenschiff grenzt, zog sich schon ein langer Riss durch die Fassade. "Das war alles von Pilzen zerfressen", sagt Barbara von Eckardstein. Genauso wie die Holzbalken im Dachstuhl. Einige alte Streben konnte man noch erhalten und - mit Holzschutzmittel eingesprüht - wiederverwenden. "Die neuen Balken werden an die alten angeschuht", erklärt Danny Seifert in breitem Sächsisch. Dicke Metallmuttern zeigen, wo die Holzteile miteinander verschraubt sind.

Sogar einen 8,50 Meter langen tragenden Deckenbalken an der Giebelseite haben die Zimmerleute schon ausgewechselt. "Das geht mit einem hydraulischen Heber, der trägt bis zu 15 Tonnen", erklärt Volker Kellig und zeigt auf das längliche Werkzeug, dem man soviel Kraft gar nicht ansieht. Und wenn die beiden Chemnitzer ihr Werk vollendet haben, werden auch die langen Holzstreben an den Innenwänden nicht mehr nötig sein. Noch verhindern sie, dass das Bauwerk zusammenbricht - denn die Kirche war vor ein paar Jahren noch einsturzgefährdet.

Wieder draußen auf dem Gerüst zeigt Barbara von Eckardstein auf die Stelle an der Fassade, wo es einmal zwei Fenster gab: "Die hat man auf der Nord- und Südseite nach 1945 zugemauert, um das Gebäude zu stabilisieren". Sie möchte dort gern wieder Fensterscheiben sehen, damit die dahinter liegende Empore vom Sonnenlicht erhellt wird. Um die entsprechenden Gelder zu bekommen, werde man sich auch an die Gemeinde Höhenland und den Ortsteil Steinbeck wenden.

Die Vereinsvorsitzende hofft, dass sich im Oktober auch gleich die Fassadensanierung anschließt: "Wir müssen es ausnutzen, dass gerade die Gerüste stehen." Dann sollen auch die vier zum Teil verrosteten bleiverglasten Kirchenfenster erneuert werden.

Märkische Oderzeitung vom 29. Juli 2009

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