Per Rad in die Geschichte der Dorfkirchen

Luckau Die Kirchen in Wehnsdorf, Walddrehna, Wüstermarke und Langengrassau sind am Samstag Ziel einer geführten Fahrrad-Exkursion gewesen. 30 Neugierige nahmen an der Tour teil, die regelmäßig vom Förderkreis "Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" organisiert wird.

 

"Die Kirchen in den Dörfern sind Kleinode, weil sie noch in ihrer alten, ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Altäre, Taufsteine und andere Details der Innenausstattung stammen aus der Zeit vor der Reformation. Darunter sind echte Raritäten", erklärt Sieglinde Schaffer aus Elsterwerda. Zum dritten Mal radelt sie bei der geführten Kirchenradtour mit.

Unter dem Motto "Unsere Kirche muss im Dorf bleiben" habe sich die Kirchengemeinde gemeinsam mit den Einwohnern von Wehnsdorf in Eigeninitiative im Jahr 2000 an die Trockenlegung des Gotteshauses gemacht, berichtet die Kirchenälteste Brigitte Hoffmann. "In über 400 Arbeitsstunden wurden rund 200 Kubikmeter Erde vom Kirchhof abgetragen, neue Fundamente für die Anbauten errichtet und ein Fußweg angelegt", erzählt sie. Einen Meter hoch hatte sich das Erdreich im Verlauf der Jahrhunderte an den Außenwänden der Kirche abgelagert. "Belüftungsfenster sorgten für die Austrocknung. Auch innen wurden die Wände saniert und neu verputzt." Anschließend seien die Fenster sowie die Anbauten saniert worden. "Die Arbeiten wurden zum größten Teil von der Kirchengemeinde finanziert. Mit einem Zuschuss der Gemeinde Heideblick war es möglich, die Decke mit der Malerei zu restaurieren", erklärt Brigitte Hoffmann. Das Uhrwerk der Kirchturmuhr sei vom Wehnsdorfer Winfried Käbe wieder funktionstüchtig gemacht worden. Als Zeugnis der Ortsgeschichte ist es in der Kirche zu betrachten.

In den nächsten Jahren wollen die Wehnsdorfer den Altar und das Gestühl restaurieren. Auch die Orgel liegt in Einzelteilen verpackt auf dem Boden. "Sie stammt aus dem Jahr 1851 und ist 40 Jahre nicht bespielt worden", ergänzt Orgelexperte Albrecht Bönisch.

"Diese Eigeninitiative ist bewundernswert", sagt die Berlinerin Wilma Gohrke. Es zeige, wie stark sich die Menschen ihrer Kirche als einem Teil der Ortsgeschichte verbunden fühlten.

Baugeschichtliche Details über die Kirche in Walddrehna vermittelt Architekturstudent Thomas Krause. Das Bauwerk sei im 13. Jahrhundert als einfacher, rechteckiger Kirchenbau errichtet und während der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert zerstört worden. Der Wiederaufbau sei im gotischen Stil erfolgt. Die jüngste Untersuchung des Holzes der Eingangstür habe das Jahr 1471 als Entstehungsjahr ergeben, so Krause. Einmalig in der Region sei die Turmkonstruktion mit den drei Spitzbogenarkaden, die auf zwei gemauerten Rundpfeilern aufgesetzt wurden und so eine offene Vorhalle bildeten, erläutert Thomas Krause. "Vermutlich hat die Kirche früher eine Rolle als Pilgerkirche am Jacobsweg gespielt. Denn Pilgerkirchen zeichnen sich durch besondere Vorhallenkonstruktionen aus", erklärt er.

Ein Lied zum Abschluss der Kirchenvisite begleitet Albrecht Bönisch auf der Orgel. "Radfahren, Kirchen besichtigen und Orgelmusik hören, das ist toll", sagt die Berlinerin Karin Römisch, die erstmals bei der Kirchenradtour dabei ist.

Von Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 27. Juli 2009

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