Erster Akt sind die Glocken und der Turm

Von Gabriele Rataj

Erster Akt sind die Glocken und der Turm 

Altlandsberg (MOZ) Es gibt ihn erst seit Juni, den Förderverein Dorfkirche Wegendorf i. G., doch viele Worte machen, das liegt den Akteuren nicht. Sie beginnen einfach, wo das Eingreifen am nötigsten ist: am Turm mit der Uhr und den Glocken.

Es ist geräumiger geworden zwischen dem Balkenwerk im oberen Turmgeviert der Wegendorfer Kirche. Die Kleinere der beiden alten Glocken - vermutlich von 1568 - ist vor ein paar Wochen in einen süddeutschen Betrieb zur Reparatur gebracht worden. Denn durch die Bronze zog sich ein Riss, von der Krone bis zum unteren Schlagring. So war der akustische Stundenanzeiger schon lange verstummt.

Ihre ältere Schwester, die jetzt noch unter dem Turmdach hängt, soll sogar aus dem 13./14. Jahrhundert stammen. Auch sie braucht erst einmal Pflege, selbst wenn die große Glocke nur zu besonderen Gelegenheiten geläutet wurde.

All das liegt jetzt jemandem am Herzen - dem frisch gegründeten Förderverein Dorfkirche Wegendorf, seinen Mitgliedern und Sympathisanten. Sieben Gründungsmitglieder hätte es gebraucht, mehr als 300 Leute sind angeschrieben worden, 16 haben den Verein aus der Taufe gehoben und jetzt sind es 21 Weggefährten. Diese wollen zunächst die Bronzeglocken reparieren lassen, damit sie später wieder erklingen können.

Davor muss unbedingt der Glockenstuhl gerichtet werden. Per Flaschenzug wird dazu die große Glocke ("mindestens zwei Tonnen") angehoben, um die Balkenkonstruktion zu entlasten, an maroden Stellen zu erneuern und schließlich neu auszutarieren. Jetzt lehnt sich der Glockenstuhl noch ans Mauerwerk, als ob er müde wäre. Genau das darf nicht sein, weil sich die Schwingungen beim Läuten der schweren Glocken auf das Ziegelwerk übertragen. Auch deshalb gibt es wohl Risse im Turm, die zusammen mit Putzschäden weiter auf dem Programmzettel der Fördervereinsmitglieder stehen. Sonst würden eindringende Feuchtigkeit und Schmutz bald ganze Arbeit geleistet haben.

Da aller guten Dinge drei sind, steht zudem die Sanierung der seit dem Krieg stehenden Turmuhr auf dem Plan. Mit erfahrenen Helfern an der Seite, zu denen Hartmut Spühr von der Kirchengemeinde Altlandsberg und Roland Burkhardt als Spezialtüftler vom Dienst zählen, geht es voran. In dieser Woche ist das schwere eiserne und rostige Uhrwerk abtransportiert worden. "Es liegt schon bei mir in der Werkstatt", erzählt das Petershagener Heimatvereinsmitglied.

Zifferblätter waren beim Turmbau offenbar für alle drei Seiten vorgesehen. Das lassen die kreisrunden Vertiefungen und die offenen Stellen im Mauerwerk für das Gestänge zum Uhrwerk vermuten. "Doch in der Erinnerung der älteren Wegendorfer scheint es immer nur das Zifferblatt über dem nördlichen Eingang gegeben zu haben", sagen mit Michael Töpfer und Enrico Konkel zwei der Aktiven vom Förderverein.

An ihrem Beispiel lässt sich nachvollziehen, zwischen welchen Polen die Unterstützer des großen Vorhabens Erhalt und Sanierung der Dorfkirche zu suchen sind. Töpfer - alteingesessen und mit der Kirche aufgewachsen, seit einigen Jahren auch im Gemeindekirchenrat. Und Konkel - nach der Wende zugezogen, der mit seinem Kunstglaser-Vater schon in der Kindheit durch alte Kirchen zog.

Jetzt sind sie dabei, einen Architekten zur Bestandsaufnahme zu suchen. Dazu beginnt der mühselige Weg der Finanzbeschaffung. Jeder Euro zählt, weshalb die Kirche sommers an den Sonntagen jeweils von 13 bis 16 Uhr zur Besichtigung offen steht. Mehr Aufmerksamkeit sollen auch der Singegottesdienst am 2. August, eine Benefizveranstaltung im Herbst oder der Internet-Auftritt bringen.

"Vor allem aber brauchen wir Ideen, Freunde und einen langen Atem", wissen die Vereinsmitglieder. Sie sind erst am Anfang.

Märkische Oderzeitung vom 24. Juli 2009

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