Die Glocken läuten wieder

Petershagen (MOZ) Zehn Jahre haben sie aus Sicherheitsgründen geschwiegen - die beiden Glocken im betagten und maroden Turm der Petershagener Kirche. Am Sonnabend läuteten sie erstmals wieder - zum Dankgottesdienst. Denn der Petershagener Kirchturm ist saniert, hat wieder eine achteckige Haube mit neuer glänzender Turmzier. Die neue Wetterfahne trägt die Jahreszahl 2009. Der sanierte Kirchturm ist das Werk vieler. Auch die weiteren geplanten Arbeiten werden die Hilfe vieler benötigen.

Von Bärbel Kloppstech

Die Glocken läuten wieder 
 
Die Glocken läuten wieder

Fünf Minuten vor Beginn des Dankgottesdienstes am Sonnabend um 14 Uhr erklangen seit vielen Jahren wieder die beiden Glocken aus dem 15. Jahrhundert. Zwei junge Petershagener, Georg Neumann und Marcel Patzig, standen oben auf dem Kirchturm und übten sich erstmals in ihrem Leben als Glöckner. Eine neue Aufhängung, neue Joche und Klöppel - sie waren erst in der vergangenen Woche fertig geworden, steuerten dazu bei, dass das Geläut aus dem Kirchturm weithin zu hören war. Auch wenn die größere deutlicher geklungen habe als die kleinere, wie Pfarrer Gottfried Hemmerling im Gottesdienst hinter seiner Kanzel verschmitzt spöttelte. Das Glockengeläut und der sanierte Kirchturm seien weithin sichtbares Zeichen, dass in die Petershagener Kirche wieder eingeladen werde. Die Kirche habe schon vor zehn Jahren ein neues Dach bekommen, jetzt sei auch der einst schiefe Kirchturm saniert und erstrahle in neuem Glanz. Auch wenn diese Bauphase nun abgeschlossen ist, die Arbeiten an dem alten Gotteshaus, das als eines der wenigen im Oderbruch den Zweiten Weltkrieg ohne großen Schaden überstand, werden weitergehen. Neue Schall-Luken, ein elektrisches Läutwerk und im unteren Teil des Turms, am Schiff und an der Orgel gebe es Reparaturbedarf, zählte der Pfarrer auf. Auch diese Arbeiten werden, wie die gerade beendete zweite Bauphase, wieder das Werk vieler sein müssen - durch Spenden, Förderung und Zuwendungen, durch fachgerechte handwerkliche Arbeit, durch Beratung und Planung. Auch die Finanzierung der Sanierung des Kirchturms von rund 140 000 Euro sei letztlich aus vielen Etats gekommen: von der Kirchengemeinde, dem Kirchenförderverein, dem Kirchenkreis und der Landeskirche, vom Landkreis und der Kommune, von der Denkmalsstiftung und aus Lottomitteln der Sparkasse. Letztere seien überhaupt ausschlaggebend gewesen, dass ab 2007 auch andere Geldgeber mit ins Boot stiegen und im Spätsommer 2008 mit den Bauarbeiten am Turm begonnen werden konnte, wie Pfarrer Hemmerling unterstrich.

Im Rahmen des Festgottesdienstes wurden verschiedene Grußworte überbracht. So von Superintendent Roland Kühne, der vorschlug, den Mut zur offenen Kirche zu haben, tagsüber die Türen zu öffnen, da dieses Haus sein historisches Bild noch immer besitze.

Kirchenfördervereins-Vorsitzender Lothar Neumann dankte Pfarrer Hemmerling, der trotz seiner zahlreich zu betreuenden Gemeinden, immer wieder "angetrieben" habe. Nach dem lang vermissten Klang freue er sich, dass "die Glocken nun wieder öfter in die Petershagener Kirche rufen werden."

Märkische Oderzeitung vom 19. Juli 2009

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