Kirche als Mittelpunkt

Von Cindy Teichert

Klein Muckrow Anfang dieses Jahres gründete sich in Klein Muckrow ein Förderverein zum Erhalt der alten Dorfkirche. Ziel ist es, das alte Gebäude nicht dem Verfall preiszugeben, sondern es zu neuem Leben zu erwecken. Dafür sind in den nächsten Monaten interessante Veranstaltungen geplant.

Eberhard Grünberg wurde 2004 stolzer Besitzer eines Navigationsgerätes. Dieses wollte er natürlich gleich ausprobieren, und obwohl ihm die Strecke bekannt war, gab er von Frankfurt kommend sein Heimatdörfchen Klein Muckrow als Zielort ein. Die Eingabe der Hausnummer war nicht als Option vorhanden, aber zumindest "Zentrum" war möglich. Die angenehme Frauenstimme leitete den Fahrer korrekt von Frankfurt bis nach Klein Muckrow und verabschiedete sich von ihm mit der letzten Ansage "Sie haben ihr Ziel erreicht". "Da stand ich nun, nicht etwa am Gemeindehaus oder an Schulzes Getränkeshop, nein, ich stand mitten im Dorf, vor unserer Kirche", erzählt Grünberg.

Die Klein Muckrower Kirche ist also das Zentrum des Dorfes. Sie zeigte sich Grünberg eher in einem erbärmlichen Zustand. "Eine kleine schiefe Kirche, verfaulte Balken, fehlende Dachziegel, abgefallener Putz im Fachwerk - man muss etwas für unsere Kirche tun", beschloss der agile Rentner damals.

Doch so schnell der Gedanke gefasst war, verschwand er auch wieder aus den Augen. Die kleine, schlichte Dorfkirche ist weder ein Baudenkmal noch ein Haus mit viel Prunk und Zierde. Ursprünglich war sie als Gebetshaus gewidmet, und doch ist sie das Herz des Dorfes. Der Zahn der Zeit nagt gewaltig an dem Fachwerkbau von 1777, und nichts tun würde bedeuten, dass die Kirche als Schandfleck seinem Aus entgegengeht. Um das einzige kulturelle Erbe des Ortes also zu retten, gründete sich vor einigen Monaten unter Grünbergs Vorsitz der Förderverein Dorfkirche Klein Muckrow e.V., dem neben aktiven Klein Muckrower Kirchenmitgliedern auch Pfarrer Friedrich Detlef Plasan und Friedrich Hesse, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oder-Spree, angehören.

Ziel des Vereins ist es, die Kirche wieder mit Leben zu füllen, sie zu einem lohnenswerten Orientierungspunkt zu machen, der einen Raum des sozialen Miteinanders bietet. Weiterhin möchte man natürlich finanzielle Unterstützung bei behördlichen und baulichen Maßnahmen leisten. Denn um die Kirche langfristig zu erhalten, ist dringend eine gründliche Sanierung vonnöten. Diese Einschätzung teilt auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., dessen Geschäftsführung und Vorstand kürzlich selbst vor Ort war, um sich ein Bild zu machen.

"Wichtig ist, dass wir die Kirche publik machen, sie in den Mittelpunkt des Dorfgeschehens bekommen, denn bei jeder Bewertung für Anträge wird man danach sehen, wie diese angenommen wird", so Grünberg. Um das zu erreichen, haben sich die sieben Gründungsmitglieder einiges einfallen lassen. Neben dem Einwerben von Förder- und Spendengeldern erarbeiten sie derzeit eine Kirchenchronik.

Die Kinder der Groß Muckrower Kindertagesstätte besuchen im Rahmen ihres Projekts "Gebäude" die Kirche. Geplant ist ein kleiner Malwettbewerb. Die Bilder sollen zugunsten der Klein Muckrower Kirche beim Dorffest im August versteigert werden. In Überlegung ist auch, die Dorfkirche als "Offene Kirche" anzupreisen, was bedeuten würde, dass das Gebäude in Führern zur Besichtigung oder stillen Einkehr angeboten würde.

Sommerkonzert mit dem Berliner Klangerlebnis "Hauptstadtblech" am 20. Juni um 19 Uhr an der Kirche in Klein Muckrow

Märkische Oderzeitung vom 14. Juni 2009

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