Richtkrone weht über der Kreuzkirche

Von Eva-Martina Weyer

Richtkrone weht über der Kreuzkirche 
Auf dem Baugerüst unterm künftigen Kirchendach: Firmenchef Günter Matthias von Metallbau Matthias aus Blumenhagen verliest den Richtspruch. An seiner Seite sind Schlosser Renè Eick (r.), Pfarrer Falko Becker und Michael Riedel.

Vierraden (MOZ) Bauleute und Mitglieder des Freundeskreises Kirchruine haben am Donnerstag das Richtfest für die Kreuzkirche Vierraden gefeiert. Die Stahlträger wurden auf die Mauerkrone des Kirchenschiffes gesetzt. In wenigen Tagen soll die Kirche eine Teilüberdachung erhalten.

Pfarrer Falko Becker hatte ein Glas Sekt vom Baugerüst in die Kirche geworfen. " Es ist ein Zeichen des Dankes an die Bauleute, die heute die Dachträger aufgebracht haben, und ein Dank an alle, die uns bis hierher begleiteten e_SDRq , sagte Becker.

Von einer Kirchruine kann in Vierraden nun endgültig keine Rede mehr sein. Der Freundeskreis, der sich vor zehn Jahren nach dem offensichtlichen Erscheinungsbild der Kirche benannte, nämlich nach der Ruine, hat sein Ziel erreicht. Vierraden hat bald wieder eine wetterfeste Kirche. Für viele Einwohner mutet das wie eine wundersame Auferstehung an.

Immerhin war das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gotteshaus über 50 Jahre eine Ruine. In ihren Mauerritzen wucherte das Unkraut. Es gab kein Dach und keinen Turm mehr. Pfarrer Falko Becker hatte es 1999 verstanden, die Vierradener für den Wiederaufbau der Kirche zu begeistern. Aber selbst Michael Riedel, Vorsitzender des Kirchen-Bauauschusses räumte ein: " Dass es einmal so weit kommt wie heute, hätten wir uns nicht träumen lassen ".

Aus der anfänglich vagen Hoffnung einer kleinen Gruppe keimte schließlich der Enthusiasmus eines ganzen Ortes. Geldspenden, Kollekten, Materialspenden und aktives Zupacken auf der Baustelle - die Vierradener waren erfinderisch, ihre Argumente für einen Wiederaufbau unschlagbar.

Der Gemeinderaum, der bisher als Kirchsaal diente, war damals mit seinen Platzkapazitäten an seine Grenzen gestoßen. Außerdem fehlte im Gemeindeleben dieses Schwedter Ortsteiles ein größeres Gebäude für Veranstaltungen. Deshalb waren sich Kirchengemeinde und Kommune schnell einig und haben in einem Vertrag die gemeinsame Nutzung der Kirche festgeschrieben.

Ein erster Meilenstein war der sanierte Turm, von dessen Spitze ein Kreuz weit ins Land grüßt. Nach dem Kreuz haben die Vierradener ihre Kirche schließlich benannt. Der Name Kreuzkirche hatte sich in einer Umfrage als Favorit herauskristallisiert.

Der nächste Meilenstein wurde im Mai 2003 mit der Wiedereinweihung gelegt: Das Kirchenschiff war rekonstruiert, hatte allerdings noch kein Dach. In der zum Himmel hin offenen Kirche breitet sich seitdem eine ganz besondere Atmosphäre aus. Besucher sind hier den Elementen ausgesetzt, genießen aber auch, wenn zu besonderen Anlässen Tauben oder Luftballons in den Himmel steigen.

Inzwischen ist die Kreuzkirche zu einem lebhaften Begegnungsort der Vierradener und ihrer Gäste geworden. Selbstverständlich finden hier Gottesdienste statt wie erst am vergangenen Wochenende die festliche Konfirmation von drei Vierradener Jugendlichen. Aber das Kirchenschiff bietet auch Raum für Weihnachtsmarkt und Krippenspiel, Konzerte und Buchlesungen. Das halbe Kirchenschiff wird nun überdacht. Die Stahlträger stammen übrigens von einer abgerissenen Turnhalle im einstigen Ferienobjekt Teerofenbrücke.

In der Kreuzkirche wird am 28. Juni mit einem Gottesdienst Richtfest gefeiert. Einen Tag zuvor singt ein Gospelchor aus Essen das freudige Ereignis dieser Auferstehung fast 60 Jahre nach Kriegsende ein.

Märkische Oderzeitung vom 04. Juni 2009

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