Kirche öffnet sich zum Himmel

Kirche öffnet sich zum Himmel 
Kirchenschiff ohne Dach: In Ruhlsdorf hat die Sanierung begonnen.

Ruhlsdorf (MOZ) In dem Strausberger Ortsteil ist jetzt mit der Sanierung der Dorfkirche begonnen worden. Das marode, rund 300 Jahre alte Dach ist abgenommen und wird durch eine neue Konstruktion ersetzt.

Von Uwe Spranger

"So etwas ist eine langwierige Sache", blickte Pfarrer Raik Fitzner zurück. Er selbst ist zwar erst seit März im auch für Ruhlsdorf zuständigen Kirchensprengel Märkische Schweiz tätig, weiß aber um die jahrelangen Bemühungen vor allem des Fördervereins um den Erhalt des im 15. Jahrhundert erbauten und nach Zerstörung im 30-jährigen Krieg 1707 wieder eröffneten Gotteshauses. Der 2004 gegründete Verein hat allerdings nicht einmal den ersten Anstoß gegeben: "Schon 2002 sind die ersten Anträge gestellt worden", berichtet Uwe Großkopf vom Vorstand des Fördervereins, der zugleich als Architekt die Arbeiten überwacht.

Bei dem jetzt begonnenen ersten Bauabschnitt der "Bestandssicherung und Sanierung der Dorfkirche Ruhlsdorf" werde zunächst einmal nur das gemacht, "was unbedingt gemacht werden musste", erklärt er. Und das ist der Dachstuhl des Schiffs. Der war schon 2005 mit dicken Balken abgestützt worden. "Sonst wäre er zusammengestürzt. Der Zustand war ja beängstigend", macht Großkopf deutlich. Erneuert werden zudem Dachhaut, die Decke über dem Kirchenschiff und die Gesimse mit Traufen und Borte.

Nachdem die untere Denkmalbehörde die Materialwahl bestätigt hatte, haben am Mittwoch Mitarbeiter der Müncheberger Dachdeckerei Otto mit dem Abriss des alten Dachs begonnen. Der Altar war zuvor eingehaust und mehrfach in Folie verpackt worden. Auch die Empore ist gesichert. Am Donnerstag waren bereits alle Balken entfernt. Fürs "Archiv" des Pfarrers hatte Zimmermann Michael Mandery aus Ihlow eigens ein Stück altes Holz sowie einige alte Nägel aufgehoben. Die könnten später zusammen mit alten Figuren und Bauteilen im Dachboden deponiert werden.

Zügig solle es nun weitergehen, kündigte Großkopf an. "Wir wollen es möglichst schnell wieder dicht haben", sagte er. Dann sollen Innenarbeiten folgen. "Vielleicht erst einmal nur ein weißer Anstrich, damit der Raum schnell wieder nutzbar ist." Ende August, so hofft er, soll es so weit sein.

Rund 100 000 Euro werden die Arbeiten kosten. 75 000 Euro hat die Kirchengemeinde aus dem Verkauf des Pfarrhauses in Hohenstein aufgebracht, weitere Mittel unter anderem der Förderverein durch Spenden und Einnahmen aus seinen alljährlichen Festen im Umfeld der Kirche. Zuschüsse kamen darüber hinaus vom Kirchenkreis Fürstenwalde-Strausberg, vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der Sparkasse Märkisch-Oderland, und die letzte Finanzierungslücke hatte die Stadt Strausberg geschlossen.

Die Ruhlsdorfer nehmen in jedem Falle großen Anteil an den Arbeiten. "Viele kommen mit dem Fotoapparat her und halten alles fest. Das ist ja hier ein Ereignis", sagt der Pfarrer. Er hofft, dass das Interesse an dem Sakralbau auch nach der Sanierung anhält. Das Haus soll dann für interessierte Radler tagsüber offen bleiben und zudem für Veranstaltungen genutzt werden.

Märkische Oderzeitung vom 30. Mai 2009

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